Am Sterbebett

von Raffa

Sterbebegleitung

Das Tibetische Totenbuch von Sogyal Rinpoche (ISBN 978-3-596-169099-0) empfiehlt sich als umfassendes Werk zum Thema Sterben bzw. Sterbebegleitung. Hier werden einige Essenzen daraus vorgestellt: Manchmal hat es ein Sterbender schwer, loszulassen wenn seine Liebsten oder die ihn umgebenden Menschen noch nicht dazu bereit sind. Dann empfiehlt es sich, dem Sterbenden mit aufrichtiger Zärtlichkeit mitzuteilen: „Ich bin hier bei Dir, und ich liebe Dich. Du liegst im Sterben, aber das ist etwas ganz Natürliches; es geschieht jedem. Ich wünschte, Du könntest noch länger bei mir bleiben, aber ich möchte nicht, dass Du noch weiter leidest. Die Zeit, die wir miteinander verbracht haben, war schön und intensiv, und ich werde sie immer zu schätzen wissen. Bitte halte jetzt nicht länger am Leben fest. Lass los! Ich gebe Dir von ganzem Herzen mein Einverständnis zu sterben. Du bist nicht allein, weder jetzt, noch in Zukunft. Du hast meine ganze Liebe.”

Menschen sollten, wenn möglich, zu Hause sterben dürfen. Friedliches Sterben lässt sich am ehesten in einer vertrauten Umgebung erreichen. Wenn nicht anders möglich als in einem Spital, können persönliche Gegenstände wie inspirierende Bilder oder gegebenenfalls ein kleiner Schrein helfen, den Menschen darin zu bestärken, sein Sterben zu einem geheiligten Vorgang zu machen. Das Krankenhauspersonal kann gebeten werden, den Sterbenden nicht an Gerätschaften zu hängen, möglichst wenige und vor allem keine invasiven Eingriffe mehr zu tätigen, den Sterbenden in Frieden zu lassen. Ein friedlicher Tod ist ein unverzichtbares menschliches Grundrecht. Der Körper sollte nach dem Eintreten des Todes für eine Weile ungestört liegen gelassen werden.

Phasen des Sterbenden

Elisabeth Kübler-Ross hat auf dem Gebiet der Sterbebegleitung ausserordentliches geleistet. Ihre Arbeiten und praktischen Erkenntnisse auf diesem Gebiet bleiben unerreicht. Unter anderem unterschied sie die fünf Phasen des Sterbeprozesses. Sie verlaufen in unterschiedlicher Reihenfolge verlaufen und können sich wiederholen. Besonders die Empfehlungen für die therapeutische Haltung des Sterbebegleiters sind von äusserst yīn-igem Charakter:

  • Verleugnen (nicht ich)
    Therapeut: nicht massregeln
  • Wut und Neid (warum, warum ich?)
    Therapeut: Behutsamkeit (die Wut des Sterbenden richtet sich gegen ihn selbst)
  • Verhandeln (Zugeständnisse, Deals, Wunderheiler…)
    Therapeut: Bestärken, aber vor Illusionen bewahren
  • Depressionen (Traurigkeit, Das Spiel ist aus…)
    Therapeut: Trauer zulassen, Ängste und Sorgen zerstreuen
  • Akzeptanz (Es ist gut so…)
    Therapeut: Wünsche ernst nehmen, Angst vor dem Vergessen-werden nehmen, Anwesenheit und Nahestehender fördern, weiteres: siehe vorangehender Absatz ‚Sterbebegleitung‘.

Weltenlichter wachsen im Ozean des Seins,

Schatteninseln schwinden,

Lebensflammen glühen heiss

und tragen dich auf ihren Schwingen Heim.

Quelle unbekannt


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