Feb 27 2020

Coronavirus – Fakten und TCM

von Dr. Raphael Hochstrasser

Monatliche Anzahl weltweiter Todesfälle pro Ereignis (aufgerechnete und ungefähre Werte):

  • < 8’000 Coronavirus
  • 38’000 „Normale“ saisonale Grippe
  • 49’000 HIV
  • 90’000 Auto
  • 200’000 Iatrogen
  • 750’000 Hunger
  • 1’000’000 Herzkreislaufversagen

Wenn wir die Zahlen oben anschauen, weshalb wird das Coronavirus trotzdem selbst von Fachpersonen so sehr gehypt? – Einerseits wegen der höheren Ausbreitungsrate (R0 = ca. 2.2% bzw. 1.4-5.47) als bei saisonalen Grippen (ca. 1.3%), doch vor allem wurde in den Ländern, wo das Virus zuerst detektiert wurde, ein rund 10x tödlicherer Ausgang gemessen (Mortalität = 2.2%; saisonale Grippen = ca. 0.2%). Allerdings bildet dieser Wert aus verschiedenen Gründen nicht die Realität ab! Hier die Gründe:
1. Mittlerweile weiss man, dass die meisten registrierten Coronatoten nicht an Covid-19 gestorben sind, sondern mit!
2. Es sind überwiegend Menschen gefährdet, die auch ohne das Virus gefährdet sind, also etwa mit stark vorgeschädigten Atemsystemen (Rauchen, Luftverschmutzung), mit mehrfacher Vorerkrankungen, sehr schwachem Immunsystem oder Menschen, die besonders alt sind oder unter prekären Bedingungen leben. Unter normalen oder guten Lebensbedingungen, wie etwa in der Schweiz, liegt die Sterblichkeitsrate des Coronavirus (SARS-CoV-2) wesentlich tiefer, schätzungsweise bei 0.2%! (Hierzu ein sachlich-wissenschaftlicher Bericht [1])
3. Die Sterblichkeitsrate ist und bleibt ein Schätzwert, solange keine durchgehende Tests (Screening) stattfinden. Wie oft wurdest Du bei einer Grippe statistisch erfasst? – So ist es auch beim Coronavirus, wo vorwiegend die symptomatischen und schweren Fälle erfasst werden, bei denen die Prognose naturgemäss schlechter ist. In Südkorea, dem Land mit der vorübergehend höchsten Zahl von Infizierten, wurden prozentual auch am meisten Menschen getestet. Entsprechend niedrig war (<.5%) die Sterberate. Am 19. März wurde gar eine grosse französische Studie [2] veröffentlicht, bei der die Mortalität normaler Coronaviren mit der von Covid-19 getestet wurde (kein Unterschied!). von Nota bene: Bei jeder saisonalen Grippe sterben mehr als 3x so viele Menschen! Hier weitere hilfreiche Vergleiche [3], um ein Gefühl der Verhältnisse zu bekommen.
4. In den Medien wimmelt es nur so von Hochrechnungen. Dabei sind immer wieder grobe Fehler zu sehen: Sehr oft wird beispielsweise die Mortalität (Anzahl der Toten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung) und Letalität (Anzahl der Toten im Verhältnis der Erkrankten) verwechselt. Darauf basierend wird bei den Hochrechnungen oft die Zahl der Infizierten (mit dem Virus, SARS-CoV-2) genommen, anstelle die Zahl der Erkrankten (mit Covid-19). Oft ist einfach die Rede von Coronatoten, wobei nicht unterschieden wird, ob die Menschen an oder mit Covid-19 gestorben sind. Wissenschaftlich wäre, Covid-19 erst dann als Haupttodesursache zu verzeichnen, wenn es hauptsächlich dafür verantwortlich ist, und die Vorerkrankungen eine kleinere Rolle spielen.

Aus welchem Grund hört man von Fachpersonen kaum, dass der Coronavirus demnach weniger schlimmer ist als es die Medien vermuten lassen? – Das liegt wohl daran, dass wir Menschen immer weniger akzeptieren, dass Krankheit und Tod zum Leben gehören. Statt uns damit auseinanderzusetzen, suchen wir nach Auswegen und Hilfe bei den Fachleuten. Die Fachleute stehen unter hohem Druck, ja keinen Fehler zu begehen und gegen jedes vermeidbare Risiko vorzugehen. Das ist natürlich völlig absurd! Wenn wir unsere Zeit nur noch damit verbringen, Risiken auszuschliessen, verpassen wir das Leben. Vielen ist das klar, aber einige Menschen neigen dazu, die Schuld selbst für naturgemässe Ereignisse bei anderen zu suchen. Und dann werden jene, die helfen wollen, mit emotionalen oder gar juristischen Klagen von Patienten und Angehörigen angegriffen. Aus der unreflektierten Panik der Betroffenen wird eine reale Bedrohung für die Helfenden.

100% gesundheitliche Sicherheit wird es NIE geben. Dieser Anspruch ist nicht nur unrealistisch, sondern auch mitverantwortlich dafür, dass sich unser Gesundheitssystem immer weiter auf die Verhinderung aller möglicher Risiken einschiesst und dabei zu kollabieren droht – nicht erst seit dem Coronavirus. Wer etwas anderes glaubt, braucht nur mit Pflegefachpersonen der vordersten Front zu sprechen. Alleine schon aus diesem Grund sollte gut überlegt sein, wie sinnvoll es ist, den Fokus immer weiter auf das Verhindern von Krankheiten (Pathogenese) zu verengen und währenddessen die Stärkung der Gesundheit (Salutogenese) zu vernachlässigen. Doch eine nüchterne Abwägung zur effizienten Einteilung der Ressourcen wird solange verunmöglicht, wie die Angst und krampfhafte Festhalten auf das Anrecht von absoluter Unversehrtheit vorherrschen.

Doch weshalb machen wir da alle mit? – Kein Virologe, kein Epidemiologe und auch sonst kein Experte der Welt kann berechnen, wie gross die Bedrohung des Coronavirus tatsächlich ist. Alle Massnahmen, die wir treffen, basieren lediglich auf Schätzungen und Meinungen von Experten, also letztlich auf einem Gefühl! Es bleibt den Experten gar nichts anderes übrig, als auf mögliche Gefahren hinzuweisen und die Politiker müssen das ernst nehmen. Es könnte ja tatsächlich zu einer Katastrophe kommen, also bleiben wir lieber mal auf der sicheren Seite. Um die Massnahmen, z. B. zwecks der Verzögerung der Ausbreitung des Virus, konsequent durchführen zu können, braucht es eine gewisse Überzeugungskraft, womit auch ein gewisses Mass an Panik adäquat wird. Leider können sich Ängste und Panik durch die Gruppendynamik kumulieren. Und weil drastische Massnahmen gegenüber der Bevölkerung gut gerechtfertigt werden müssen, und immer auch Gegenstimmen erklingen, verschärft sich die Argumentation und die Panikmache, bis sich die Experten und Politiker irgendwann in ihrer Haltung verkeilen. Die Fronten verhärten sich und damit die Argumente, es kommt zu Zirkelbezügen und eine vernünftige Diskussion wird verunmöglicht. Diese ist aber sehr wichtig, denn …

Ab einem bestimmten Punkt richtet die Risikovermeidung mehr Schaden an als das Risiko selber.

Was ist die reale Gefahr des Coronavirus: Solange wir das gesellschaftliche Leben nicht komplett einschränken (so wie in Singapur oder China), werden sich vorraussichtlich 30-70% der Gesamtbevölkerung mit SARS-CoV-2 anstecken. Rund 80% der Infizierten können mit einem milden Verlauf rechnen (die dürfen zu Hause bleiben), 15% wird deutlichere Symptome bzw. eine Erkrankung (= Covid-19) erfahren und etwas unter 1% benötigen wegen Lungenentzündung (meist bilaterale interstitielle Pneumonie) mit Komplikationen eine intensive Hospitalisation. Die Risikogruppe besteht vor allem aus älteren Menschen (über 75 Jahre), mit Polypragmasie (viele verschiedene Medikamente) und mehrfacher Vorerkrankung (polymorbid) wie Diabetes oder Bluthochdruck. Da die Spitäler nur über eine bestimmte Anzahl an Beatmungsstationen (samt Fachpersonal) verfügen, kann es dort zu einer Überlastung kommen. Zunächst mal macht es durchaus Sinn, den Peak der Infektionen abzuflachen. Hier wird anschaulich simuliert, wie: Harry Stevens, The Washington Post [4].

Und dann die Frage, warum es denn nun an einigen Orten zum Kollaps gekommen ist. Liegt das alleine an der Gefährlichkeit von SARS-CoV-2? Die Sterblichkeitsrate ist es ja anscheinend nicht. Ist es die Ausbreitung? Anscheinend ebenfalls nicht. Obwohl zwar pro Infiziertem etwas mehr Menschen angesteckt werden können als bei einer saisonalen Grippe, ist die dafür die Ausbreitungsgeschwindigkeit nur halb so hoch (WHO Fact-Sheet [5]). Der Grund scheint eher aus einem Mix verschiedener Faktoren zu bestehen: 1. Hygieneprobleme und Übertragung von Krankheiten in Spitälern (in einigen Ländern wie z. B. Italien und China bekannterweise grösser als in Holland und Deutschland wo auch die Sterberate von Covid-19 viel niedriger ist). 2. Sobald die Hysterie losgeht, belasten Menschen das System bei geringsten Symptomen wie Husten und Fieber, der Covid-19-Test ist sehr aufwändig. 3. Nun ist schlagartig alles deutlich komplizierter geworden durch die verschärften Hygienemassnahmen. 4. Plötzlich scheint das Rampenlicht auf die Coronapatienten, die Ängste und Panik verlangen nach Rettung, die es bei Schwerkranken auch im Spital oftmals nicht gibt. Jährlich sterben alleine in Europa rund 90’000 Menschen durch Infektionen, die sie sich in Spitälern zuziehen. Müsste dies nicht mindestens ebenso viel Aufsehen erregen wie Corona mit viel niedrigen Todeszahlen? – Oder zumindest müssten doch Massnahmen getroffen werden? 4. Das Gesundheitssystem, vor allem die Spitäler und das Pflegepersonal waren schon vorher chronisch überlastet, nun brauchte nun nur noch den bekannten letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Da stellt sich also eine neue Frage:

Wenn der Grund für den Kollaps einiger Spitäler deren chronische Überlastung mit der derzeitigen Panikmache sind, wie können wir dann letztere eindämmen?

Z. B. ist es hilfreich, die Daten über die mit Covid-19 verzeichneten Todesfälle etwas genauer anzuschauen. Nicht nur Laien, die auf die sensationsgeilen Medien angewiesen sind, gehen der Spur der Angst auf den Leim, selbst die Experten neigen dazu. Es ist völlig verständlich, dass ein Virologe durch seine Brillen vor allem Viren sieht. Hinter jedem Toten mit Covid-19-Befund sieht daher der Virologe ein Virusopfer. Was den Bericht vom Italienischen Gesundheitsamt so wertvoll macht, sind zwei Dinge: 1. Zeigt er, wie tragisch das bisher schlimmste, realen und dokumentierte Schreckensszenario tatsächlich ist. 2. Werden auch die Vorerkrankungen der Todesopfer aufgeführt. Die ganz grosse Mehrheit der Corona-Toten waren nun eben mal Schwerkranke hohen Alters, um nicht zu sagen, Todgeweihte. Es ist immer schlimm, wenn jemand stirbt, das ist hier nicht das Thema. Die Frage ist, ob durch Covid-19 nun tatsächlich so viel mehr Menschen sterben, als sonst. Im Winter 2015/2016 sind in Italien innert weniger Wochen rund 25’000 Menschen an der saisonalen Grippe gestorben. An SARS-CoV-2 sind es derzeit immer noch weniger als 10’000 Menschen. Ja, das sind viele. Doch rechtfertigen sie die Massnahmen, durch die Menschen letztlich auch gesundheitlich schwer belastet werden? Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass multimorbide (mehrfacherkrankte) Patienten ganz grundsätzlich mit dem höheren Risiko leben, an Krankheiten zu sterben, sei es Covid-19, eine saisonale Grippe, ein grippaler Infekt oder ein Bakterium, eine emotionale Belastung, schlechte Luft, usw. Hier die Zahlen der Covid-19-Toten von Italien, dem Land, dass nun als Schreckensbeispiel vorgehalten wird: Bericht zu den Sterbezahlen vom Italienischen Gesundheitsamt [6].

Die Frage ist also nicht, ob wir uns mit dem Virus anstecken, sondern wie wir darauf reagieren!

Alle Welt schaut panisch darauf, wie wir den Coronavirus vermeiden können! Doch noch viel wichtiger: Irgendwann werden die meisten von uns infiziert und dann ist es entscheidend, wie gut wir auf die Symptome vom Covid-19 reagieren. Das ist für das Gesundheitssystem noch viel relevanter. Nur spricht kaum jemand davon. Denn diese Faktoren sind weicher und mit ihnen lässt sich eine Argumentationsschlacht nicht so spektakulär führen.

Viel wichtiger, als die Frage, ob wir unseren Tod vermeiden oder um ein paar Wochen herauszögern können, ist, womit wir die Zeit verbringen, bis wir irgendwann an irgendetwas sterben!

Als Gesundheitswissenschaftler habe ich unzählige Studien durchforstet um herauszufinden, was wir tun können, um möglichst lange gesund, vital und damit widerstandsfähig gegenüber pathogenen Faktoren bleiben zu können. Hier die wichtigsten (übrigens weitgehend unumstrittenen), beeinflussbaren Faktoren: Bewegung (möglichst in der Natur), gute Ernährung (frisch, einfach) und soziale (mental und physisch) Kontakte. Ja, dies gilt auch für den Covid-19, selbst wenn das nun gerade paradox ist, da wir unser Gesundheitssystem entlasten, und die Kurve flach halten müssen.

Welches sind denn nun diese weichen, aber letztlich so entscheidenden Faktoren, mit denen wir besser auf Covid-19 vorbereitet sind?

  • Weniger News, weniger Stress, mehr Leben:
    Weniger News über Covid-19 und dergleichen konsumieren, mehr Lebenszeit für Entspannung, Erholung und Spass einplanen! (Latenter Stress wirkt sich über den Psycho-Neuro-Immunologischen Weg negativ auf das Immunsystem aus)
  • Mit dem Velo zur Arbeit:
    Der wichtigste, beeinflussbare Faktor für eine gesundes, glückliches Leben ist viel Bewegung. Dänischen Studien zufolge ist es z. B. besonders wichtig, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. „Kleiner“ Nebeneffekt: Je mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren, desto weniger Autounfälle können entstehen. „Klein“ ist natürlich relativ: Pro Monat sterben 90’000 Menschen an Autounfällen, mehr als das Zehnfache von SARS-CoV-2 im bisherigen Peak!
  • Parasympathische Aktivierung:
    Das Immunsystem wird zwar durch sympathische Reize stimuliert, baut sich aber nur in der parasympathischen Phase auf! Erholung, tiefe Atmung, guter Schlaf, Meditation und weitere regenerative Aktivitäten. So gerne einige das hätten, dafür gibt es keine Abkürzungen! Nun ja, vielleicht eine: CM. Ein grosser Vorteil der CM liegt darin, dass sie nicht nur das Yang (Sympathikus), sondern auch das Yin (Parasympathikus) effektiv begünstigen kann. Wer mehr über das Yin der Medizin wissen will, der siehe hier: http://www.yinmedizin.ch).

Es ist erstaunlich, wie wenig wir hierzulande über die Heilmöglichkeiten von Covid-19 sprechen. Vielleicht auch, weil die konventionelle Medizin da kaum etwas ausrichten kann? Anstatt den Umgang mit Krankheit und Tod zu üben, wird vielmehr versucht, das Unvermeidliche zu vermeiden. Aus diesem Grunde ist es auch so fragwürdig, sämtliche Energie in Impfungen zu stecken. Insgesamt steht kaum ein Dutzend wirksamer Impfungen einer unendlicher Vielfalt von Krankheitserregern entgegen. Dennoch wird auch jetzt vor allem krampfhaft nach einer Impfung gesucht, statt sich zumindest ein wenig dafür zu interessieren, was uns hilft, gestärkt aus einer Krankheit wie dem Covid-19 hervorzugehen. In China und weiteren asiatischen Ländern wurde jedenfalls unlängst eine CM-Taskforce zusammengestellt, die eine Reihe von hochwirksamen Rezepten zur Prävention, Vor- und Nachbehandlung gegen den Coronavirus herausgegeben hat. Seit Anfangs Februar werden in Wuhan, dem Epizentrum von Covid-19 rund 85% der Infizierten mit TCM-Arzneimitteln behandelt. Derzeit verspricht weder die konventionelle Medizin noch TCM eine Heilung von CoVid-19. Was – ausser der zunehmenden Immunität – zu der mittlerweile hohen Heilungsraten [7] in China führt, kann niemand genau sagen, aber sie ist hoch!

Selbstverständlich kennen wir bei TCM Aarau die von der Taskforce verwendeten Arzneimittelformeln [8] und schneidern auf dieser Basis für jeden Patienten die passende Formel zu. Sei es für die Prävention oder – falls diese bereits versagt hat – für weitere Stadien der Krankheit und des Lebens :o)

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Im Text verwendete Links:

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Weitere allgemeine Links:

  • Interview (mit vielen aktuellen Daten) mit dem TCM-Arzt Dr. Wu Xia, der in Wuhan an der Front arbeitet

  • Erklärung der Uni Bamberg, warum die Entwicklung und Ausbreitung des Virus dynamisch (nicht linear) verläuft. Dort findet sich auch ein Link zum derzeit genausten Corona-Simulator.

  • Etwas kürzer gefasste Ausführung auf Basis von Modellen der Uni Sydney, u. a. darüber, weshalb es für die erfolgreiche Eindämmung von der Bevölkerung 80% Compliance braucht.

  • Kritischer Bericht von Sven Böttcher über die Verhältnissmässigkeit der Pseudo-Krise angesichts anderer, drastischerer Probleme.

  • Raus aus der Corona-Sackgasse mittels Durchseuchung? – Ein Appell für die geregelte Ansteckung und Immunisierung. (Gastkommentar in der NZZ)

  • Fiebersenken, Ibufen und Paracetamol? – Lieber nicht! Hier wird erklärt der Kinderarzt Dr. Renz-Polster, wieso es nicht klar ist, ob Fiebersenker bei CoVid-19 helfen oder sogar schaden.

  • In einem ZDF-Interview erklärt der Virologe Streeck (Nr. 2 in D), wieso eben nicht so klar ist, ob die Massnahmen gerechtfertigt sind und weshalb auch Virologen zu verschiedenen Meinungen neigen. Ausserdem erklärt er, warum SARS-CoV-2 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch Schmierinfektionen übertragen werden kann.

  • Visualisierungen, Statistiken und Grafiken zum Coronavirus auf public.tableau.com

  • Patienteninfo zu Covid-19 auf www.tcmaarau.ch

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Links für TCM-Profis

  • Ausnahmsweise frei zugängliche (!) Ausgabe des Lantern (XVII 2), dem australischen Journal für TCM. Natürlich über Covid-19.
    Notabene: Das Lantern ist weltweit eines der angesehensten TCM-Journals. Das ist eine Gelegenheit, mal etwas darin rumzuschnuppern!?

  • Formelsammlung zur Prävention von Covid-19. Von Complemedis AG.
    Hilfreich: Sehr übersichtlich mit Nennung aller Quellen/Chinesischer Ämter und Spitäler.
  • Auszug aus den offiziellen Richtlinien zur Diagnose und Therapie von Covid-19 der Chinesischen Gesundheitsbehörden (übersetzt von Nina Zhao)
    Hilfreich: Ausführlich differenzierte Krankheitsstadien, Symptome und Muster

  • Wissenschaftlicher Review IJBS über die Behandlungen von CoVid-19 mit Chinesischer und Konventioneller Medizin. (pdf)
    Hilfreich: Auflistung aller wichtigen allopathischen und chinesischen Arzneien, zahlreiche Quellenverweise sowie Auflistung zu laufenden Studien zu TCM und Covid-19.

  • Wissenschaftliches Review im CJIM der TCM-Klassiker in Bezug auf CoVid-19.


Feb 27 2020

Kreuzallergien – Chinesische Arzneimittel

von Dr. Raphael Hochstrasser

Folgende Chinesische Arzneimittel könnten bei Personen mit Kreuzallergien Probleme verursachen. Da die Mittel einerseits getrocknet, andererseits beim Kochvorgang detoxifiziert wurden, sind sie mit grosser Wahrscheinlichkeit deutlich weniger problematisch als die rohen Ausgangssubstanzen. Ausserdem werden sie meist als Formeln, also zusammen mit weiteren Komponenten verordnet, die die unerwünschten Nebenwirkungen mindern.

Im Zweifelsfall daher die Mittel einfach ersetzen oder, wenn kein guter Ersatz möglich ist, ausprobieren.

Angelicae dahuricae, Radix / Bai Zhi
Angelicae pubescentis, Radix / Du Huo=Tu Huo
Angelicae sinensis, Radix / Dang Gui
Angelicae sinensis, Pars caudalis radicis / Dang Gui Wei
Bupleuri, Radix / Chai Hu
Cnidii, Fructus / She Chuang Zi
Foeniculi, Fructus / Xiao Hui Xiang
Ledebouriellae=Saposhnikoviae, Radix / Fang Feng
Ligustici Chuanxiong=Chuanxiong, Rhizoma / Chuan Xiong
Liqustici sinensis, Radix et Rhizoma / Gao Ben
Peucedani, Radix / Qian Hu
Notopterygii, Rhizoma et Radix / Qiang Huo


Jan 30 2020

Babys – Die ersten 3 Monate

von Dr. Raphael Hochstrasser

Die ersten 3 Monate nach der Geburt zählen quasi noch zur Schwangerschaft.

Im Laufe der Evolution wurde unser Denkorgan immer grösser. Und durch den aufrechten Gang wurde das Becken schmäler. Damit der Kopf überhaupt noch durch den Geburtskanal passte, musste die Geburt um 3 Monate vorverschoben werden. Daher kommen wir nicht erst nach einem Jahr, sondern schon nach 9 Monaten auf die Welt. Und aus demselben Grund sind übrigens auch die Fontanellen noch offen.

Nicht nur für das Baby, auch für die Mutter kann diese Zeit noch zur Schwangerschaft gezählt werden. Entsprechend wird das sogenannte Wochenbett manchmal als 4. Trimester bezeichnet. Das ist ganz gut so, damit wir nicht vergessen, ihr diese Zeit wirklich zu lassen. In der Regel braucht der Körper rund einen Monat, um sich von den Geburtsstrapazen zu erholen, die Wunden zu heilen, sich auf die neue Situation und auf das Stillen einzugewöhnen usw. Für die komplette Regeneration ad integrum sollten zwei weitere Monate eingerechnet werden.

Wenn dann das Kind so auf dem Bauch der Mutter oder des Vaters liegt, fällt die Vorstellung sowieso leicht, dass es eigentlich noch dort wäre. Viele Mütter haben sich dann schon so an die Nähe gewöhnt, dass es für sie komisch wäre, das Baby nicht bei sich zu tragen.

Jedenfalls sollten in dieser heiligen Zeit die üblichen Erziehungsregeln und Mechanismen aussen vor gelassen werden. Denn das Baby ist noch keine eigenständige Pflanze, sondern eine Art Spross, der noch an der Mutterfrucht hängt. Es ist auch nicht fähig, zu reagieren. Man sollte in dieser Zeit auf jedes Bedürfnis möglichst umgehend, adäquat und bedingungslos eingehen.

Auch die Gedärme der Kleinen sind noch nicht perfekt besiedelt, die Darmflora ist sich noch am aufbauen. Schreit ein Kind während Stunden ununterbrochen trotz allen Künsten der Beruhigungstechnik, leidet es mit hoher Wahrscheinlichkeit (20% aller Kinder) unter den sogenannten 3-Monats-Koliken (die übrigens nach punktgenau 3 Monaten enden). Bei den meisten Babys machen sich die Probleme mit der Verdauung zumindest in einer milderen Formen bemerkbar. Dennoch konnte bisher bei Untersuchungen kein Enzym oder Bakterium gefunden werden, das für die Verdauungsprobleme verantwortlich ist. Vielmehr scheint es die Luft zu sein, die beim Schreien eingeatmet wird, und die Blähungen bzw. die Schmerzen verursacht. Und das Schreien wiederum, ist natürlich. Gemäss Remo Largo, dem Babyversteher unserer Zeit, kommt das von der intensiven Gehirnentwicklung in dieser Zeit.

Je mehr ein Baby Hand-Mund-Aktivität und wache Blicke zeigt, plaudert und einen regelmässigen Wach-Schlaf-Rhythmus eingeht, desto höher liegen die Chancen, dass es nach den ersten drei Monaten deutlich weniger schreit.

Die Diät der Mutter („auf Zwiebeln und Kohl verzichten“ und dergleichen) scheint jedoch keinerlei objektiv feststellbare Auswirkungen auf das Schreiverhalten von Babys zu haben! Wodurch es sich hingegen nachweislich beinflussen lässt, ist die Tragezeit. Der ständige Körperkontakt sowie regelmässige, rhythmische Bewegungen scheinen eine beruhigende Wirkung auf verschiedene Systeme der Babys zu haben. Kurzum: Babys sind Traglinge!

Mehr über das Thema Schwangerschaft und Geburt gibt’s hier.


Nov 9 2019

Rote Bohnen. Richtig zubereitet.

von Dr. Raphael Hochstrasser

Die Nieren bilden gemäss CM die innerste und fundamentalste Abteilung im System Mensch. Leider ist es gar nicht so einfach, ihnen durch Nahrung Gutes zu tun. Speisen aus Knochenmark und Hirn ist halt nicht jedermanns Sache. Zum Glück gibt es da noch die Bohnen.

Rote Bohnen bzw. Kidney-Beans sind richtiggehende Nieren-Schmeichler. Vor allem dann, wenn sie gut zubereitet sind. Dann machen sie auch keine Probleme bezüglich Gasentwicklung.

Eine rohe Portion Kidney-Beans für eine Mahlzeit mit ca. 4 Personen.

Nicht nur angesichts ihrer Signatur – die Dinger sehen tatsächlich wie kleine Nieren aus – sondern auch hinsichtlich ihrer Zubereitung ist der Nieren-Bezug offensichtlich. Denn die kompakten, harten Früchte geben ihre yin-ige Energie erst frei, nachdem man sie stundenlang im Wasser weichgekocht hat.

Zubereitung:

  • Mindestens 8 Stunden im Wasser einweichen (am besten über Nacht, und maximal während 20 Stunden)
  • Im Wasser aufkochen und mehrmals den Schaum z. B. mit einem Löffel grosszügig abschöpfen. (Gemäss CM werden die Bohnen dadurch von Toxinen befreit)
Zu Beginn den Schaum abschröpfen und entsorgen
  • Während mindestens 2 Stunden (besser noch: 3 Stunden) und bei niedriger Temperatur weiterköcheln. Ganz wichtig: Den Kochprozess nie unterbrechen und kein Salz verwenden! (Sonst klappts nicht!)
    Ausserdem ist mir zu Ohren gekommen, ein EL Natron beim Kochen helfe ebenfalls gegen die Gasentwicklung in den Därmen. Allerdings hilft ja Natron – wenn man dessen Jüngern Glauben schenkt – so ziemlich bei allen möglichen und unmöglichen Dingen.
  • Nun sind die Bohnen bereit für die weitere Zubereitung. Ich mag sie am liebsten mit einem grosszügigen Schuss Olivenöl und hochwertiger Sojasauce leicht knusprig angebraten sowie mit reichlich Cayenne oder Paprika, Pfeffer und etwas Salz. Die scharfen Gewürze fühlen sich zusammen mit den Bohnen gar nicht mehr soooo scharf an. Gemäss CM sind sie sogar hilfreich, um die eher schwere bzw. yin-ige Kost zu verteilen. Auch werden so nochmals Darmwinde vermieden. Wem Chili und Pfeffer wenig zusagt, kann auch auf Koriander zurückgreifen.

Einmal durchgeführt, ist der Aufwand überschaubar, vor allem wenn man erlebt hat, wie verdammt lecker die kleinen Roten schmecken :p

Das fertige Gericht.

Ausserdem ist dieses Gericht etwas, das man gerne teilt. Wenn ich Bohnen mache, gebe ich z. B. meinen Nachbarn oder Mitarbeitern davon ab. Ein schönes Geschenk :o)

Tja, wie meistens, machen traditionelle Gerichte aus der Sicht der CM Sinn. Chili con Carne enthält ja nicht nur Scharfes und Fleisch, sondern eben auch Bohnen. Klar, die Mexikaner mögen Chili, doch zusammen mit den Bohnen macht das Scharfe total Sinn!

In der Anfangssequenz des viel zu geilen Filmklassikers „Die linke und die rechte Hand des Teufels“ ist Terence Hill zu sehen, wie er nach dem Durchqueren der Wüste erstmal was in aller Ruhe verzehrt? – Yup, Chili mit Speck und Bohnen! Diese Szene ist so unglaublich trashig-cobowyesque, danach verstehst Du das Yin der Bohnen definitiv!

Terence Hill isst Bohnen in „Die linke und die rechte Hand des Teufels“


Okt 29 2019

Mononukleose / EBV

von Dr. Raphael Hochstrasser

Symptome kreisen um: Halssz, Müdigkeit, Fieber (im Peak), Splenomegalie, Hepatomegalie etc.

Musterdiagnose geht in Richtung: Wind-Hitze (H) oder Wind-Kälte befällt die Oberfläche bzw. die Lunge, tox. Hitze (H) der Wei-Ebene.

Inkubationszeit ca. 1-2 Monate, Ausheilzeit 2-4 Wochen.


Hier einige Arzneimittel (AM) und Akupunkte, die nicht übersehen werden dürfen:

Wichtige AM:

Yin Qiao San-Formula inkl.
Lian Qiao (Hals-Barriere stärken), Jin Yin Hua
(Hals-Barriere stärken) und Niu Bang Zi (Hals, tox. H), etc.

… ergänzen mit Variationen/Bausteien von
– Bai Hu Tang (wenn es von der Wei in die Qi-Ebene übergreift)
– Qing Yin Tang (wenn es auf die Ying-Ebene übergreift)
– Zhu Ye Shi Gao Tang (Regenerationsphase)

Antiviral:
Da Qing Ye (Hals, tox. Hitze sehr wichtig)
Huang Qin (bei Schleim, verdicktem ZB)
Ma Bo (Top-Halssz.-Mittel)

Ausgleichende Mittel
Mu Dan Pi (ausgeglichen, tox. Hitze, Yin schützen, UJ)
Xuan Shen (sehr hilfreiches Mittel, tox. Hitze, Shen)

bei Symptomen auf der Haut:
Zi Cao (bei Hautrötungen)
Qian Cao (dito)
Chi Shao (dito & Xue-Stase-Hitze)

Bei Trockenheit im Hals:
Mai Men Dong (bei Yin-Leere Hitze, Hals-Trockenheit)
Bai He (bei Hals-Trockenheit)

Wichtige, klassische Akupunkte:

Di4, Di11, SJ5, Bl12/13, Mi10 (Xue-H), Du14 blutig schröpfen (bei viel H), Lu10 (bei aktuer H im Hals)


Okt 20 2019

Rückenschmerz – Arzneien

von Dr. Raphael Hochstrasser

Die Behandlung von Rückenschmerzen ist gewissermassen eine Königsdisziplin der Chinesischen Medizin. Natürlich können wir mit Nadeln, Gua Sha, Moxa und weiteren Verfahren schon sehr viel bewirken, und bei chronischen Geschehen sind gezielte Rücken-Übungen unumgänglich. Doch manchmal möchte man die Freunde aus der Natur als regelmässige Helferchen mitarbeiten lassen. In diesem Artikel schauen wir uns an, was sich im Arsenal der CM-Arzneien für den Rücken so findet.

Die wirksamsten Rücken-Mittel haben meist eine einseitige Yang-Ausprägung. Besonders bei Hitze-Mustern oder bei Yin-Leere-Hitze dürfen sie nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Doch viele Patienten mit akuten Rückenschmerzen zeigen Hitze-Anteile bzw. latente Entzündungserscheinungen, die mit Hitze-Muster einhergehen. Umso wertvoller sind jene, zwar nicht immer so direkt auf den Rücken wirkende Mittel, die jedoch einen Ausgleich auf die Yang-Ausprägung bieten.

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Yang tonisierende

Du Zhong (Eucommiae) – wichtiges Rücken-Mittel!!!, Yang, Bi (F & K), Sehnen und Knochen, Leitbahn-Stagn., Bote für UJ, Fötus beruhigen, 9-15 g

Xu Duan (Dipsaci) – wichtiges Rücken-Mittel!!!, Yang, Leitbahn-Stagn, Bote für UJ, Bi (W&F, Sehnen & Knochen), Fötus beruhigen, 9-18 g

Rou Gui (Zimtrinde) – sehr stark Yang-tonisierend und wärmend. Nicht so spezifisch für den Bewegungsapparat, jedoch häufig eine Schlüsselarznei, um das blockierte Qi mit Wärme wieder in Gang zu bringen. 3-6 g

Fu Zi (Aconit) – heissestes Mittel, daher manchmal gut als Losbrecher und bei Kälte-Mustern, Bi (Kälte), 3-6 g

Lu Jiao Fen (Hirschgeweihpulver) – weites & intensives Yang-Wirkspektrum, auch bezüglich Jing, daher schnell mal zu viel des Guten, unbedingt ethische Kontrolle (nur vom Hirsch abgeworfene Geweihe/ Lu Jiao/ benutzen), 6-9 g

Dong Chong Xia Cao (Cordyceps) – Yang, Wei-Qi, Lu-Yin, gehyptes Langlebe-Mittel (jedoch ökolog. & ökonom. heikel, oft zu tonisierend), 3-6 g

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Milde Yang-Tonika
sind vielleicht nicht ganz so starke Rücken-Mittel, jedoch dankbar wegen ihrer Ausgewogenheit

Ba Ji Tian (Morindae) – Mild Yang, daher Yin-verträglich, Miktion, Bi (F&K, Sehnen & Knochen), 9-15 g

Gou Ji (Cibotii) – Mild Yang, daher gut für Langzeitanwendung, v. a. bei Bi-Mustern (W&F, Sehnen und Knochen), 9-15 g

Gu Sui Bu (Drynaria) – speziell wichtig für dieKnochenheilung, Leitb-Stagn, 6-18 g

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Yin/Xue-stärkende
wichtig, da die Yang Mittel Yin aufbrauchen und da bei Rückensz oft auch entzündliche Prozesse mitspielen

Gui Ban (Testudinis) – Yin-Leere-Feuer (Nr.1), Yin stärkend, Le-Yang absenken, Jing, 6-18 g

Gou Qi Zi (Bocksdornfrüchte) – Le-Xue, Augen, 6–12 g

Sheng Di Huang (Rehmannia) – Nur leichte, direkte Wirkung auf den Rücken, jedoch viele indirekte, wichtige Yin-Fnkt bei der Behandlung von Rückenproblemen insbesondere gegen Leere-Hitze-Entzündungen, Di, He, Haut, etc. 9-30 g

He Shou Wu (Polygoni) – Mildes Mittel, jedoch nützliche Abdeckung: Di-Stuhl, Jing, Blut, 9-30 g

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Qi und Xue-bewegende Mittel

Huai Niu Xi (Cyathulae) – wichtiges Rücken-Mittel!!! Xue-Stase verteilen, UJ, FH-Blase, Bi (FH, H, Sehnen und Knochen). (Chuan Niu Xi wirkt ähnlich, ist etwas milder), 6-15 g

Xiao Hui Xiang (Foeniculi) – weniger ein Rückenmittel als bei Sz in der unteren Le-Leitbahn/Genitalien, Kälte-Stagn.-verteilend (daher auch Yang-stärkend), 3-9 g

Chuan Xiong (Si Chuan-Liebstöckel) – keine direkte Wirkung auf den Rücken, jedoch sehr wichtiges Xue-Mittel, das auch auf den Bewegungsapparat wirkt, Bi (W), 3-9 g

Mu Dan Pi (Moutan) – keine direkte Wirkung auf den Rücken, jedoch vielseitiges Mittel bei Hitze/Xue-Hitze, Xue-Stase im UJ, Haut, Le, tox.-Hitze (gegen Entzündungen), 6-12 g

Xiang Fu (Cyperi) – Ebenfalls kein direktes Rücken-Mittel, aber quasi das bessere Chai Hu wenn es darum geht, die Stagnation auf rein körperlicher Ebene zu behandeln. Also besonders wenn Le-Qi-Stagn mit im Spiel ist. Bei stressbedingten Rückensz (vor Prüfungen, etc.) ist eine Strategie in Richtung Chai Hu Jia Long Gu Mu Li Tang übrigens eh erfolgsversprechender als klassische Rückenmittel! Oder einfach Gb21 und Gluteus medius des (kleinen) Todes schröpfen.

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Ni-Haltende-Fnkt
(Ni-Halten Dysfnkt steht besonders im Zusammenhang mit Inkontinenz, Spermatorrhö, Leukorrhö, etc., die bei Rückensz meist ab ca. 35 Jahren zum Thema werden). Wichtig sind Suo Yang und Rou Cong Rong auch wegen ihrer Di-Stuhl-fördernder Funktion, die bei Rücken-Schmerzen ein nicht zu unterschätzender Faktor sein kann. (Auch Sheng Di Huang und He Shou Wu bedienen diese Funktion).

Suo Yang (Cynomorii) – Yang (Ni-Sex-Fnkt), Di, Bote für Sehnen und Knochen. Sanftes Mittel, z. B. um ein Rücken-Rezept für Patienten mit Neigung zu Obstipation und Erektiler Dysfunktion abzurunden. 6-15 g

Rou Cong Rong (Cistanches) – wichtig für Ni-Halten-Fnkt (Wasser, Sperma), Yang, Di-Stuhl, hohe Dosierung erforderl., 19-21 g

Sha Yuan Zi (Astragali) – Primär um Urin und Sperma besser halten zu können, Yang, Augen, 9-20 g

Bu Gu Zhi (Psoralae), Yang, sehr warm, wichtig bei Hahnenschreidiarrhö, Mi-T&T, Miktion, 6-9 g

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Bi/Wind
von dieser Kategorie sollte bei jeder Rücken-Verschreibung mindestens eines mit dabei sein. (Auch Xu Duan, Du Zhong, Ba Ji Tian, Gou Ji, Huan Niu Xi und Chuan Xiong haben eine Bi-Wirkung). Wenn es um Sz im oberen Rücken oder im Nacken geht, gehören die letzten drei dieses Kategorie gar zu den Hauptbestandteilen der Formulierung.

Wu Jia Pi (Acanthopanacis) – Bi (W, F), Leitb-Stagn., Jing, F-Bl, v. a. bei Ni/Le-Schwäche, 6-9 g

Du Huo (Angelica) – Bi (W, K), Taiyang-Kälte, Bote für UJ/Taiyang & Du, v. a. bei Knie-Problemen, 3-9 g

Sang Ji Sheng (Taxilli) – Bi (W, F), UJ, , Le-Xue/Haut, 9-18 g

Qiang Huo (Notpterygii) – Bi (W,F), Taiyang-Kälte, Du-Leitbahn (wie Dü3, wichtig für vertebrale Leiden), Bote und Hauptmittel für Nacken, KSz

Gao Ben (Ligustici) – Wind-Kälte, Taiyang, Bi (W, F), KSz (Taiyang und Jueyin/Hinterkopf, Vertex-Wangen)

Ge Gen (Pueraria) – Wind-Hitze (Wei-Ebene), Nacken & Oberrücken
(Taiyang-Kälte), KSz (Yangming), modern auch bei He-Xue-Stase/Angina pectoris


Mai 15 2019

Luo- und Yuan-Punkte

von Dr. Raphael Hochstrasser

Luo- und Yuan-Akupunkte können kombiniert werden, um Ungleichgewichte zwischen den zugehörigen Funktionskreispaaren auszugleichen. Das ist vor allem dann spannend, wenn akute Muster mit konstitutioneller Basis behandelt werden sollen.

Die Kombo ist sehr passend, wenn die Fülle im Fu zu einem Zang umverteilt werden soll. Dann lauten die Punkte:

Di6 –> Lu9
Ma40 –> Mi3
Dü7 –> He7
SJ5 –> Pe7
Gb37 –> Le3
Bl58 –> Ni3

Beispiel: Fülle in der Bl-Leitbahn (bei akuten Rückensz.) und konstitutionelle Leere im Funktionskreis Ni: Bl58 –> Ni3.

Der umgekehrte Weg macht nicht ganz so viel Sinn, ist jedoch alleine schon weil einige tolle Punkte darunter sind, interessant:

Lu7 –> Di4
Mi4 –> Ma42
He5 –> Dü4
Pe6 –> SJ4
Le5 –> Gb40
Ni4 –> Bl64

Beispiel:
Bei Fülle/Stagn. in der Le und Leere in Gb: Le5 –> Gb40. In der Praxis könnte es sich hierbei um einen Teenager handeln, der sich wenig bewegt (Le-Qi-Stagn) und übermässig schüchtern ist (Gb-Leere).


Jan 11 2019

Wortgeschmiede

von Dr. Raphael Hochstrasser

Auf und ab,
hin und her,
treiben die Wellen
im Lebensmeer.

Fallen die Götter,
erwachen die Geister,
zerbirst die Luft,
stürmt die Welt.
Himmel und Höll –
Gedanken sind das nur.
Denn fein rauschen sie, die Sterne.
und warm duften sie, die Wälder.


Jan 9 2019

Siedfleischsuppe

von Dr. Raphael Hochstrasser

Bekömmlich und nährend, Qi und Jīng aufbauend.
Ideal für Herbst & Winter oder Aufbauphasen.

1. Bouillon:
2 Zwiebeln aufschneiden und braun anbraten (ohne Öl, es muss so richtig gruusig werden; damit sie in der Suppe nicht zerfallen mit einem Zahnstocher aufspiessen.)
Wasser dazu
1 Sellerie, 2-3 Rüebli und 1/2 Kohl
Gewürze (Si Chuan-Pfeffer, Loorberblatt, Kreuzkümmel, Salz, Ingwer, Chili, usw.)

2. Fleisch:
– Zuerst Hitze reduzieren, dann 1 kg Rinds-Siedfleisch-Mökli dazu geben.
– Ca. 5-15 Markbeine dazugeben
– 1.5 h sieden (= nicht heiss machen sonst wird das Fleisch gummig, nur leise köcheln)

3. Gemüse:
– Falls noch Gemüse zum Essen mit rein soll, dieses erst in der letzten halben Stunde dazu geben. Kartoffeln passen gut.


Dez 14 2018

Organuhr und Dojo-Zeiten

von Dr. Raphael Hochstrasser

Organuhr

Das Qi fliesst in einem bestimmten Zyklus durch die Organe bzw. deren Leitbahnen. Jeder der 12 Funktionskreise hat dadurch einmal im Tag während zwei Stunden seine maximale und seine minimale Zeit:

3-5 Uhr Lungen 
Häufigere Anfälle von Störungen mit Lungen-Fülle-Mustern, z. B. Asthma. Gute Zeit für Pranayama-Praxis.
Blasen Minimum
Nykturie bei Blasen-Schwäche.

5-7 Uhr Dickdarm
Gute Zeit zum Gaggelen. Gute Yáng-Zeit, viel Testosteron. Jetzt Chindli machen!
Nieren Minimum: Verstärkte Symptome bei Nierenkrankheiten oder alten Menschen (da diese gemäss CM weniger Ni-Jing besitzen).

7-9 Uhr Magen 
Gute Zeit für die Nahrungsaufnahme (Porridge :o) und um Tee zu trinken.
Perikard Minimum: Erhöhte Infarktgefahr (durch verminderten Perikad-Schutz)

9-11 Uhr Milz
Gute Zeit um zu verdauen
San Jiao Minimum: die Verdauung freut sich besonders über leichte, warme und bekömmliche Speisen.

11-13 Uhr Herz 
Gute Zeit für ein geselliges und besonnenes Essen 
Gallenblase Minimum: Allzuviel geplappert und aggressive Diskussionen beim Essen vermeiden!

13-15 Uhr Dünndarm 
& Leber Minimum: Gute Zeit für ein Verdauungsschläfchen. Das Blut weil nun eh im Pfortadersystem der Leber.

15-17 Uhr Blasen 
Gute Zeit für Aktivität …
Lungen Minimum: … im Freien.

17-19 Uhr Nieren 
Dickdarm Minimum: Gute Zeit für Kraftsuppen.

19-21 Uhr Perikard
Magen Minimum

21-23 Uhr San Jiao 
Milz Minimum: Auch bei Fressatacken keine grosse Mahlzeiten mehr!

23-1 Uhr Gallenblasen 
Typische Zeit für Gallenkoliken.
Herz Minimum: Spätestens jetzt Schlafen gehen, damit sich das Haus des Shén schön erholen kann.

1-3 Uhr Leber
Nachtarbeiter finden diese Uhrzeit besonders kreativ. Aber eigentlich liefert die Leber für den Ladevorgang!  Schlaf ist jetzt besonders erholsam, Aktivitäten sind besonders zehrend.
Dünndarm Minimum: Der möchte jetzt gerne Pausieren. Tagsüber räumt er gerne nach Shen-Aktivitäten auf. Er putzt quasi die Wandtafel nach den Ideenergüssen. Wer aber jetzt noch viel rumhirnt, wird den Geist nicht richtig leeren können.

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Dojo-Zeiten

Die *Dojo-Zeiten entsprechen dem Wandlungs-Element Erde, welches gemäss Jahreszeitenzuordnung zwischen jeweils zwei Saisonzeiten liegt.

Frühling = Holz
*Dojozeit im Spätfrühling: 27. April – 14. Mai

Sommer = Feuer
*Dojozeit im Spätsommer: 26. Juli – 12. August

Herbst = Metall
*Dojozeit im Spätherbst: 24. Oktober – 10. November

Winter = Wasser
*Dojozeit im Spätwinter: 22. Januar bis 8. Februar

Im Sinne des Wandlung-Elementes Erde eignet sich diese Zeit besonders gut, um die Verdauung zu pflegen. Die beste Dojo-Zeit ist jene im Spätfrühling, dann empfiehlt sich Schonkost durch allgemeine Reduktion und Vereinfachung der Nahrungsmittel sowie erhöhte Einnahme von Tees. Auf Alkohol, Kaffee, Zucker, Weissmehl und Milch sollte nun ganz verzichtet werden. Statt zu Fasten, empfehlen wir übrigens eine therapeutisch begleitete Reiskur. 


Jun 14 2018

Menstassen

von Dr. Raphael Hochstrasser

Menstruationstassen, auch als Moon Cup bekannt, bieten eine wiederverwendbare Alternative zu Tampons oder Slipeinlagen. Sie bestehen meist aus medizinischem Silikon, lassen sich leicht reinigen und können bis zu 10 Jahre verwendet werden.

Vorteile

  • Das Tragen und Wechseln ist diskret und unkompliziert.
  • Es wird kein Abfalleimer oder Hygienesack benötigt.
  • Menstruationstassen bewahren das natürliche Scheidenklima.
  • Sie sind schadstofffrei, wenig anfällig für Bakterien und hinterlassen keine bedenklichen Stoffe oder Fasern.
  • Sie reduzieren monatlichen Abfall.
  • Sie sind in allen Alltagssituationen, in jedem Alter und bei jeder Mensstärke anwendbar.
  • Die Kosten sind nach ca. 6 Zyklen amortisiert.

Anwendung

Die Anwendung ist sehr einfach:
Die Menstasse wird einmal in sich gefaltet, eingeführt und ploppt danach von selbst auf. Nachdem frau den festen Sitz kontrolliert hat, kann sie je nach Menstruationsstärke 4 – 12 h getragen werden. Zum Entleeren wird sie am unteren Ende vorsichtig herausgezogen, ins WC entleert und mit Wasser und evtl. milder Seife gereinigt. Anschliessend ist sie direkt wieder nutzbar. Bei Bedarf kann sie ausgekocht werden. Eine ausführliche Beschreibung liegt beim Kauf jeder Menstruationstasse dabei.

Weitere Infos

Wir empfehlen die Lunette und Intimina. Unsere Mitarbeiter beraten Dich gerne.
Weitere Infos: Reformhaus Müller Aarau, Unverpackt Aarau, afriska.ch, purpurtage.com, cupworld.ch, www.intimina.ch


Apr 30 2018

Mechanismen bei Unverträglichkeiten

von Dr. Raphael Hochstrasser

Erdnüsse: Die langkettigen Fettsäuren werden nicht über das Pfortadersystem, sondern über das Lymphsystem direkt ins Blut geführt (z. B. über den mysteriösen Ductus Thoracicus). Falls dort, wie bei den Erdnüssen, Unverdautes reingelangt, kann das die Immunabwehr wild machen!

Gluten: Eine tatsächliche Gluten-Allergie (=Zöliakie) tritt eher selten auf (1% Inzidenz). Wer unter Zöliakie leidet, bei dem reagiert der Dünndarm schon auf kleinste Mengen von Gluten. Es kommt zu einer starken Entzündung und dadurch Schädigung der Darmzotten. Etwas anderes ist eine Unverträglichkeit in Abhängigkeit der Menge (=Hypersensibilität). Sie zeigt vorübergehende Symptome, wie Schwerfälligkeit, Meteorismus, Flatulenz, Mi-Qi-Leere, Feuchte- oder Schleim-Symptome, usw.

Laktose: Ohne das Laktose-Verdauungsenzym im Dünndarm gelangt die unverdaute Laktose in den Dickdarm. Dort nährt sie Bakterien, wobei Gase entstehen. Verschwinde, oh Furz im Winde! Natürlicherweise haben Säuglinge und Kälber viel von diesem Enzym, und erwachsene Menschen weniger!

Fruktose: Auch hier geht es um die Dosis. Ist der Fruktose-Abtransport im Dünndarm überlastet, gelangt der überschüssige Zucker in den Dickdarm. Dort gärt er und verursacht viel Gas. Zeppelin ahoi! Ausserdem bindet Zucker Tryptophan, einen wichtigen Baustein für die Serotonin-Herstellung. Es wäre schade, wenn die Stimmung wegen zu viel Zucker den Bach bzw. den Dickdarm hinab geht!


Apr 6 2018

DEO selbermachen – wirkt und riecht gut

von Dr. Raphael Hochstrasser

Ich selber verwende ja keinen Deo, aber wenn ich müsste, dann würde ich folgendes Rezept verwenden; meine Kollegen schwören darauf:

70 g Kokosöl im Wasserbad schmelzen
Falls erwünscht, Duftöl einmischen
70 g Maisstärke einrühren
50 g Natron (In der Drogerie als Natriumhydrogencarbonat erhältlich) einmischen

Im Kühlschrank gelagert, bleibt es eine Paste, ab ca. 25° C wird es flüssig.

Soll sehr gut riechen und wirken!


Feb 25 2018

Die 5 Geheimnisse der Handwerkskunst

von Dr. Raphael Hochstrasser

Ein Freund wünschte sich neulich von mir die Essenzen der Handwerkskunst, zusammengefasst in 5 Punkten. Es war auf dem Dach eines Riads in Marokko, und ein Jake war noch anwesend, der – genau wie ich – einst Polymechaniker lernte und jetzt in einem darauf aufbauenden Beruf tätig war. Mit ihm zusammen habe ich die 5 unten aufgelisteten Punkte erarbeitetet. Es sind unserer Ansicht nach die Essenzen bei der Arbeit der Handwerkskünste:

1 – DIE BESTEN WERKZEUGE
Beschaffe Dir die bestmöglichsten, passenden und qualitativ hochwertigsten Werkzeuge, die für Dich erschwinglich sind. (Dieser Punkt ist eindeutig der wichtigste und erste!)

2 – GUTE VORBEREITUNG
– Arbeitsplatz einrichten: bequem, sicher
– Werkzeuge & Material auslegen (Nimm Dir diese Zeit um eine Übersicht zu Gewinnen und damit auch ein Gefühl! In der Montage erkennst Du so mit der Zeit schon im Vorneherein, ob’s aufgeht, ob was fehlt, wie Du die Arbeit aufteilst, etc.)

3 – GLEICHMÄSSIG
lieber ruhig, sauber, genau und stetig als in einem Gjufel und „effizient“. (In den meisten Handwerkskünsten zahlt man unter dem Strich für „Effizienz“ und Fehler mehr Zeit als für bedachtes, exaktes, gemächliches und beständiges Vorgehen)

4 – SPÜREN & HÖREN
Erfahre die Materialien, z. B. in dem Du sie von mit einer Handfeile bearbeitest und ein Gefühl dafür gewinnst. Klopfe dazu die Materialien ab, bewege die Konstruktionen, rüttle an den Verbindungen und lass die Maschinen laufen. (Als Velomech konnte ich rund 70% der Diagnosen übers Hören stellen, mit dem Fühlen kamen mindestens nochmals gut 50% dazu; natürlich gab es Überschneidungen :o)

5 – TEILE DIE MISSION
Falls Du in einem Team arbeitest oder eines anleitest, teile Deine Mission! (Die fähigen Mitarbeiter wissen das zu schätzen, fühlen sich motiviert und Du brauchst ihnen nicht jedes Detail im Einzeln zu erklären.)

 


Okt 6 2017

Vitalpilz

von Dr. Raphael Hochstrasser

Vitalpilze sind in aller Munde und Mägen. Die kleinen Hutträger aus Wald und Wiese warten mit Tausenden von Wirkstoffen auf, an denen sich Gesundheitsberater und Medien nur so vertun. In diese Kerbe wollen wir nicht auch noch schlagen. Wir konzentrieren uns lieber auf jene Wirkungen, die sich in der Praxis als relevant erwiesen haben.
(An dieser Stelle ein Dankeschön an unseren Pilzmeister Samuel Durrer!).

Dieser Eintrag richtet sich an Fachpersonen der CM. Wer sich mit Vitalpilzen aufpeppen möchte, sollte dies nämlich in Abstimmung mit seinem Muster gemäss CM tun. Natürlich helfen wir Dir gerne bei der Erstellung einer Musterdiagnose sowie bei der Wahl der entsprechenden Vitalpilze!

In der CM werden Pilze übrigens hauptsächlich zur konstitutionellen und adjuvanten, also zur längerfristigen Therapie eingesetzt. Dementsprechend liegen die wichtigsten Behandlungsfelder im Bereich des Immunsystems, bei Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen, bei Stoffwechselstörungen, bei neurologischen Ungleichgewichten sowie bei verschiedenen chronisch-systemischen Erkrankungen.

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Polyporus, Zhu LingEichhase
Blase, Augen
Blase
-Lin/FH, diuretisch, Ödeme, Miktion, Haarwachstum, angeborenes Immunsystem (antioxidativ).
CM: Mi, Ni, Bl, F im UJ, Bl-Lin, ähnlich diuretisch wie Fu Ling aber stärker
Kombo: + Coriolus für akute Cystitis
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Cordyceps, Dong Chong Xia CaoCordyceps Mycelia 
Leistung, Lu-Qi
Leistung
(Sex, Sport, Stressadaption), Atmung, Dyspnoe, Asthma (verbessert die Sauerstoffaufnahme, ist aber nicht auf der Dopingliste), Fertilität (Testosteron, Sperma), Anti-Aging, Burn-Out (Stressreduktion, Shen/Qi, Yin +), Zellschutz (antioxidativ), virale Infekte, Shen (Depr/Erschöpfung/Stress/Angst, Dopamin), Sport-Regeneration, Haarausfall (durch Schock)
CM: Lu-Yin, Ni-Yang-Rücken, Lu-Qi/Schleim-Atmung/Lu-Qi, Wei-Qi, Ni-Jing-Sex, Ming-Men, Shen, Tumorerkrankungen, Hyperlipidämie und Hypertonie, Ni-Wasserfunktionen
Cave: Kontraindiziert bei Herzrasen, innerer Unruhe, schnell aufsteigendem Yáng, Einnahme von Mao-Hemmern oder Immunsuppressiva. Einnahme morgens und mittags (um Schlaf nicht zu beeinträchtigen)
Kombo: + Coriolus bei Kinderwunsch und zur Regeneration nach Sport
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Pleurotus ostreatus, Austernpilz, Ping Gu
Gewichtsreduktion
Blutfette senken, vor freien Radikalen schützen, Gewichtsreduktion
CM: Le, Mi, Ma
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Shiitake, Xiang Gu, Shain Gu Gu, Pasaniapilz, Hua Gu
Gelenke, antimikrobiell
Qi+, Rheuma, Gelenke (Minerale/Vitamine), akute Grippe, Gicht, Osteoporose, Fettstoffwechsel, Infekte/Schleimhaut (antimikrobiell), Immunsys (chron. Infekte), Kopfsz.
CM: Mi, Ma, Lu, Ni
Kombo: + Auricularia zum Aufbau des Blutes, + ABM + Coriolus bei Grippe, + ABM für den Darm
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ABM, Ji Song ErAgaricus blazei Murrill, Sonnenpilz, Ji Song Rong
Allergien, Immunsystem
Allergien
(Histamin/Immunglobulin reg.), Immunsystem (Intensivgabe um Schwäche auzufbauen, Zytokine, Phagozyten), entgiftend, bei Lebensmittelunverträglichkeiten, Haut (keimstoppend, z. B. Akne, Psoriasis), Diabetes (Insulinsensitivät), gegen NW der Krebstherapie
CM: Mi, Ma, Dü, Di, Wei-Qi
Kombo: + Vit. C (z. B. durch Gou Ji Zi oder Sanddorn), Einnahmedauer: max. 3 Monate
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Mu ErAuriculairia polytricha, Judasohr
Blut regulieren/bewegen, Augen
Blut regulierend
(Ohrenleiden, Blutdruck, Tinnitus, Thrombose, Infarkt, Arteriosklerose, Durchblutung), Augenentzündung, Schleimhaut, Immunsystem stärken
CM: Ma, Le, Di, Blut-bewegend, Yin schützend
Kombo: + ABM bei Augenbeschwerden, Darm/Haut, + Rei Shi fürs Herz, + Liposmales Kurkuma bei Venenentzündungen
Cave: Kontraindiziert in FrühSS

Cave: Blut verdünnende Mittel (Als weniger schädliche Alternative von Aspirin C: 1,2 g entsprechen 100 mg Aspirin)
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Champignon, Yang GuMo Gu
Leber, Wundheilung, Blutfettwerte, hormonabhängige Brustkrebsarten (Kombo: Coprinius)
CM: Mi, Ma, Lu, Di, Dü
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Coprinus, Ji Tui GuCoprinus camatus, Schopftintiling
Diabetes, Verdauung
Diabetes
(Blutfettwert senken), Durchblutung (Arteriesklerose), Obstipation, Verdauung/Stoffwechsel (Lektine->Zellteilung, Proteinbiosynthese, Agglutination), Angstzuständen, Hormonabhängige Krebsformen
CM: Mi, Ma, Lu, Le, Ni, Yin+
Kombo: + Rei Shi & Hericium bei Angst
+ ABM Diabetes Typ I
+ Maitake Diabetes Typ II
Cave: Nicht mit Alk kombinieren!
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Rei Shi, Ling ZhiGanoderma, Lackporling
Herz, Kreislauf
Herz, Kreislauf, Shen, Immunsys. (Aufbau), Konstitution (äusserlich: Haut), multifunktional (400 Wirkstoffe, antibiotisch, hepatoprotektiv, antidiabetisch, analgetisch, antiasthmatisch, hustenstillend, BD, Allergien, Haut, Strahlenschutz (während Radiotherapien) usw. …)
CM: Lu, He, Le, Qi+, Xue+, Lu-Schleim
Für Shen-beruhigende Wirkung (Schlaf, etc.) eher pulverisierte Rohdroge verwenden als das reine Extrakt.
Kombo: + Vit. C generell empfohlen für bessere Wirkung
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Coriolus, Yun Zhi (Enoki = ähnliche Wirkung)
Antibiotisch, CFS, Borreliose, Mononukleose
NW Chemo/Radiotherapie, Immunmodulation (Allergien, Infektionen, antibiotisch) va Akutphase, CFS, Borreliose, Mononukleose, Candida. , HPV, Autoimmunerkrg., obere Atemwege und NNH (Schleim, Stippchen, etc.)
CM: Schleim/Feuchte, FH, Wei-Qi, Zheng-Qi, Zhong-Qi
Kombo: + Vit. D3 + Folsäure bei Cervixdysplasie
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Hericium, Hou Tou Gu Hericium erinaceus, Affenkopfpilz
Shen, Ängste, MS, Magen-Darm, Entzündungen
Shen
(Ängste, Schlaf, Unruhe, Burn-Out, Depression), Nervenkostüm, Neurodegeneration (Alzheimer, Parkinson, MS), Magen-Darm (latente Entzündungen/Schleimhaut), Immunsystem (T- & B-Lymphozyten), Heliobacter
CM: Alle Leitbahnen, besonders Mi, Ma, Le, Ni, Hitze zerstreuend
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Maitake, Wu Er, Grifola, Klapperschwamm, Hui Shu Hua
Diabetes
Immunsystem (Grifolan->Makrophagen, antiviral), antidiabetisch (Glukosetoleranz erhöhend ohne Insulin zu erhöhend, Blutzucker senken, Fettstoffwechsel, entgiftend), Osteporose (Vit. D-Vorstufe/Ergosterin), Blutdruck senken (RAS reg.), auch bei Diabetes-Gefährdung oder Schwangerschaftsdiabetes
CM: Mi, Ma, Ni, Le, Feuchte, Wei-Qi
Kombos: + Vit. C generell, + Coprinus bei Diabetes

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Dosierung: Täglich 1-3 g Extrakt oder 3-5 g Pulver während 1-3 Monaten, bei Kombos Total 3-6 g
Pilze sind evolutionsgeschichtlich näher mit Tieren verwandt als mit Pflanzen. Durch diese Ähnlichkeit weisen sie für uns Menschen einerseits eine hohe Bioverfügbarkeit auf, andererseits verhindert ihr Chitinpanzer, dass die darin gebundenen Polysaccharide herausgelöst und verwertet werden können.
Daher sollte neben dem reinen, möglichst fein pulverisierten Pilzmaterial auch das pulverförmige Extrakt („Granulat“) in Betracht gezogen werden. Für dieses werden die Ausgangsstoffe gekocht, extrahiert und auf Trägersubstanzen aufgesprüht. Durch das Extraktionsverfahren sollen die  Polysaccharide verfügbarer sein.

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Galenik (Orginaltext von Complemedis)
Extrakte
Durch Heisswasserextraktion wird aus den Pilzen ein hoher Anteil an Inhaltsstoffen, insbesondere Polysaccharide, gelöst. Der Polysaccharidgehalt kann standardisiert werden. Zudem weisen Extrakte eine sehr hohe Bioverfügbarkeit auf, d.h. der Körper kann die bei der Extraktion aus dem Pulver gelösten Inhaltsstoffe optimal aufnehmen.
Pulver (1:1)
Hierbei handelt es sich um feinst gemahlene getrocknete Pilze. Aufgrund des schonenden Herstellprozesses weisen gewisse Pilze unter Umständen ein breiteres Spektrum an Inhaltsstoffen auf als Extrakte. Pulver werden in der Regel höher dosiert als Extrakte.
Granulate
Bei den Granulaten wird das Extrakt auf einen Trägerstoff (meist Maisstärke) aufgesprüht. Dadurch erhält das Produkt bessere Fliesseigenschaften als Pulver, was vor allem für eine anschliessende Tablettierung von Vorteil ist. Zudem verfügen die Hersteller der Granulate über jahrzehntelange Erfahrung und haben ihre Herstellprozesse zur schonenden Wirkstoffextraktion entsprechend perfektioniert.

Bezugsquellen

www.complemedis.ch (Für registrierte CM-Profis)
www.gfvs.ch/vitalpilze/ (Gute Wissensquelle)
www.vitalpilze.ch/ (Günstige Bezugsquelle, KK-Rückerstattung muss aber vorher abgeklärt werden)
www.mykoplan.ch/ (Bio, gute Qualität, Pulver und Extrakt gemischt, nur in Kapsel, KK-Rückerstattung muss vorher abgeklärt werden)


Mrz 23 2017

Zahnungscrème

von Dr. Raphael Hochstrasser

Eine fertig konfektionierte Zahnungscrème, die bei einer Fachapotheke für CM erhältlich ist, enthält Kaliumsorbat. Kaliumsorbat wird zwar in einigen Lebensmitteln verwendet, ist aber ausgerechnet jener Konservant, der im Verdacht steht, die DNA zu schädigen.
Die Zähne – besonders in der Entwicklungsphase – zählen gemäss CM genauso zum Jing, wie die DNA. Jedem CMler sollte es ein Graus sein, so etwas auf’s Zahnfleisch von Babies zu streichen, besonders in der Wachstumsphase.
Daher haben wir selber ein Rezept zusammengstellt, das man in eine Salbengrundlage (z. B. Kokosfett) mischen kann:

Angelicae dahuricae, Radix / Bai Zhi
Menthae haplocalycis, Herba / Bo He
Citri reticulatae, Epicarpium et Mesocarpium / Chen Pi
Ligustici chuanxiong=Chuanxiong, Rhizoma / Chuan Xiong
Salviae miltiorrhizae, Radix et Rhizoma / Dan Shen
Poriae Sclerotium=Poria / Fu Ling oder Chi Fu Ling (eher Blut-Ebene)
Draconis, Fossilia ossis / Long Gu

Obwohl man sich die Abrasion der Granulatkörner auf dem Zahnfleisch als unangenehm vorstellt, haben wir bis jetzt gute Erfahrungen damit gemacht. Vielleicht fördern sie auch auf der mechanischen Ebene die Schmerzlinderung, bzw. die Flexibilität des Zahnfleisches in Form einer Mikromassage? Sonst könnte man das Granulat vorher zu feinerem Pulver mörsern.

 


Feb 17 2017

Chinesische Medizin in 50 Sätzen (in wissenschaftlicher Schreibweise)

von Dr. Raphael Hochstrasser

Ursprung, Entwicklung und Verbreitung der Chinesischen Medizin

Chinesische Medizin (CM) ist ein traditionelles, medizinisches System mit Ursprung in China. Das bekannteste [3:74] Grundlagenwerk der CM, Huáng-Dì Nèi-Jīng 黄帝 内经 (chin: Des Gelben Kaisers Innerer Klassiker)[4], kurz Nèi Jīng (chin: Innerer Klassiker), wurde um ca. 1000 – 300 v. u. Z. verfasst. Der im Nèi Jīng beschriebene Wissensschatz wurde über zwei Jahrtausende durch die Einflüsse verschiedener Dynastien und Schulen verfeinert und bildet noch heute weitgehend die klinische Grundlage. In China arbeiten gemäss WHO rund 525‘000 CM-Ärzte [5:10]. In Europa wird die Zahl der praktizierenden Akupunkteure auf 15‘000 (ebd.12) geschätzt, in der Schweiz praktizieren über 2000 Therapeuten und Ärzte Akupunktur und Chinesische Arzneitherapie [6]. Akupunktur wird gegenwärtig als das weltweit bedeutendste nicht-medikamentöse Verfahren zur Behandlung von Schmerzen betrachtet [7: S.8].

Denkmodelle der CM

Die im Nèi-Jīng [4] beschriebenen grundlegenden Denkmodelle dienen dazu, naturphilosophisches Verständnis und empirische Erkenntnisse logisch und strategisch so zu verknüpfen, dass sie klinisch optimal verwertet werden können. Im Sù-Wèn 素問, dem ersten Teil des Nèi Jīng werden neben Physiologie, Pathologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie auch kosmologische, ökologische, soziale, emotionale und habituelle Lebensumstände im Zusammenhang mit der Gesundheit des Menschen aufgezeigt. Mikrokosmos und Makrokosmos, sowie deren Zusammenwirken, werden gleichermassen miteinbezogen [ebd.Kap.5], wobei der Mensch als in Resonanz zur Natur lebendes Wesen verstanden wird [ebd.Kap.2]. In der fundierten Weltansicht der alten Chinesen werden das Universum und der menschliche Körper als eine organische Einheit betrachtet [8].

Therapeutische Methoden der CM

Yīn 阴 und Yáng 阳 [zwei synergistisch-dynamische, allgegenwärtige Polaritäten] werden in der CM als Grundlage aller Dinge, Mutter jeden Wandels und von Leben und Tod betrachtet. Um eine Krankheit zu behandeln, muss die Wurzel der Disharmonie zwischen Yīn und Yáng gefunden werden [4:Kap.3/5], ebenso sollen der geistige Aspekt Shén 神und die Lebensenergie Qì 气 frei und sanft zirkulieren können (ebd.Kap.1). Das Qì fliesst in den Jīng-Lùo 经络, Leitbahnen und wird durch Zhēn-Jiǔ 針灸, Akupunktur energetisch stimuliert (ebd.Kap.26). Neben der Akupunktur ist vor allem Zhōng-Yào 中藥, Chinesische Arzneitherapie von grosser Bedeutung [9:375]. Die Chinesische Arzneitherapie unterscheidet sich von der Allopathie dadurch, dass für jeden Patienten individuell auf dessen Muster angepasste Formeln aus pflanzlichen, mineralischen und tierischen Einzelsubstanzen komponiert werden [10:xxv]. Weitere Behandlungsmethoden der CM sind: Tuī-Ná 推拿, therapeutische Massage [11], Guā-Shā 刮痧, Stimulation durch Schaben der Haut [12], Bá-Guàn 拔罐, Stimulation durch Saugwirkung vakuumisierter Gläser [13], Aì-Jiǔ 艾灸 Moxibustion, Erwärmen der Akupunkte durch Abglühen von Artemisiakraut [14], und schliesslich die Beratung, z. B. bezüglich Qì-Gōng 氣功 (Qì-Arbeit) [15, 16], Lebensstil [4:z. B.Kap.1], Ernährung [17] und Fēng-Shŭi 风水 (Umgebungsgestaltung) [18, 19].

Begriffe Zhēn-Jiǔ und Akupunktur

Der Begriff Akupunktur setzt sich aus dem lateinischen acus für Nadel, und pungere für Stechen zusammen. Der in der chinesischen Sprache verwendete Begriff Zhēn-Jiǔ setzt sich aus den Wörtern Zhēn für Nadel und Jiŭ für Moxibustion zusammen. Das Schriftzeichen für 針 Zhēn beinhaltet 金 (Gold/Metall) und 十 (10/perfekt). Das Schriftzeichen 灸 Jiŭ enthält 久 (lange Zeit/spät wachsen) und 火 (Feuer) [20].

Akupunktur und klassische Werke der CM

Bereits im Sù-Wèn 素問 [4] wird Akupunktur beschrieben (ebd.:Kap.21 bis 64), doch die diesbezüglichen Ausführungen im Líng Shū, dem zweiten Teil des Nèi Jīng sind ausführlicher und weniger philosophisch, dafür klinischer und anwendungsbezogener [21:2ff]. Gemäss Líng Shū (22:Kap.1) hielt Huáng Qì „…die Verwendung kleiner Nadeln für notwendig, um den Fluss des Qì in den Leitbahnen zu beeinflussen…“.

Akupunktur und Leitbahnen im Verständnis der CM

Akupunktur bietet Zugang zum Jīng-Lùo 经络, Leitbahnsystem, wo entsprechend der Musterdiagnose Qì-Zhì 气滞, Blockaden aufgelöst bzw. 实 Shí-Zhèng 证, Füllezustände sediert oder Qì-Xū 气虚, Leerezustände tonisiert [22:Kap.1/9] werden. Das Jīng-Lùo entspricht einem weit verzweigten Netzwerk im Organismus, welches in astrologischer und geologischer Korrespondenz die Zirkulation des Qì unterstützt [8]. 365 klassische Akupunkte sind auf zwölf longitudinalen Hauptleitbahnen verteilt, welche mit weiteren transversalen, muskulotendinalen und subkutanen Leitbahnsystemen den gesamten Organismus erschliessen (ebd.Kap.1). Darüber hinaus werden 52 weitere Akupunkte auf den 奇经 八脉 Qí-Jīng Bā-Mài, ausserordentlichen Leitbahnen und 68 Extrapunkten ausserhalb der Jīng-Lùo, Leitbahnen [9:271-286] definiert. Im Laufe des letzten Jahrhunderts gewannen ausserdem Mikrosysteme an Bedeutung. So werden beispielsweise 139 Akupunkte am Ohr (ebd.1077–1092) definiert, 43 Akupunkte an der Hand (ebd.1118ff./1128), 57 am Fuss (ebd.1123f./1130), 89 in Gesicht, Nase und im Mund (ebd.1131/1133f./1142f), sowie rund 100 Punkte bzw. Punktzonen am Schädel [23:53/65/85]. Ausserdem werden Ā-Shì Xué  阿是 穴, druckdolente Punkte an beliebigen Lokalitäten bei Triggerpunkten, an Muskeln, Gelenken, Sehnen und Bändern definiert.

Quellen

1 Hui KK, Nixon EE, Vangel MG, Liu J, Marina O, Napadow V, Hodge SM, Rosen BR, Makris N, Kennedy DN: Characterization of the „deqi“ response in acupuncture. BMC complementary and alternative medicine 2007, 7:33.
2. Leung P-C: Chinesische Medizin: alte Heilkunst und moderne Wissenschaft, 1. Aufl. edn. München [u. a.]: Elsevier; 2006.
3. Unschuld PU: Medizin in China : eine Ideengeschichte. München: Beck; 1980.
4. Sù Wèn 素 問: Huáng-Dì Nèi-Jīng Sù-Wèn 黄 帝 内 经 素 問. In. China; ca. 1030 v. – 24 n. u. Z.
5. WHO: WHO traditional medicine strategy 2002-2005, 12906374, 2002438541. In. Geneva: World Health Organization; 2002: viii, 61 p.
6. Complemedis AG TH: Anonymisierter Auszug der Kundendatenbank der Complemedis AG, editiert von Hochstrasser R; 2012.
7. Unschuld PU: Chinesische Medizin, Orig.-Ausg edn. München: Beck; 1997.
8. Yang ES, Li PW, Nilius B, Li G: Ancient Chinese medicine and mechanistic evidence of acupuncture physiology. Pflugers Archiv : European journal of physiology 2011, 462(5):645-653.
9. Focks C, Blunck A: Leitfaden traditionelle chinesische Medizin : Schwerpunkt Akupunktur, 2., [vollst. überarb.] Aufl. edn. München [u. a.]: Urban & Fischer; 2000.
10. Bensky D, Clavey S, Stöger E: Chinese herbal medicine : materia medica, 3rd edn. Seattle, WA: Eastland Press; 2004.
11. Han C, Rintelen H: Leitfaden Tuina : die manuellen Techniken in der TCM, 2. Aufl., [Nachdr.] edn. München [u. a.]: Urban & Fischer; 2008.
12. Nielsen A: Gua Sha : eine traditionelle Technik für die moderne Medizin. Kötzting: Verl. für Ganzheitliche Medizin Wühr; 2000.
13. Chirali IZ: Traditional Chinese medicine : cupping therapy, 2nd edn. Edinburgh ; New York: Churchill Livingstone/Elsevier; 2007.
14. Höting H: Die Moxa-Therapie : Wärmepunktur – eine klassische chinesische Heilmethode, 6. Aufl. edn. Stuttgart: TRIAS; 2011.
15. Johnson JA, Stewart JM, Howell MH: Chinese medical Qigong therapy : a comprehensive clinical guide. Pacific Grove, Calif.: International Institute of Medical Qigong; 2000.
16. Wei Y, Deng Z: Medizinisches Qigong : praktisches Handbuch der chinesischen Atem- und Bewegungsübungen. Kötzting/Bayer. Wald: Verl. für Ganzheitliche Medizin Wühr; 1996.
17. Zalokar UvB, Fendrich B, Hass K, Kamb P, Rüegg E, SBO-TCM: Praxisbuch Nahrungsmittel und Chinesische Medizin: Wirkungsbeschreibungen und Indikationen der im Westen gebräuchlichen Lebensmittel. Schiedlberg: BACOPA Verl.; 2009.
18. Sang L, Luk H: The principles of feng shui. Book one. Monterey Park, Calif.: American Feng Shui Institute; 1994.
19. Kubny M: Feng Shui: die Struktur der Welt : Geschichte, Philosophie und Konzepte der traditionellen chinesischen Raumpsychologie. Klein Jasedow: Drachen Verl.; 2008.
20. Chinese-English Dictionary [www.mdbg.net]
21. Schmidt MWGA: Übersetzung des Lingshu: Die Wundersame Türangel im Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin, vol. 2: vicademica.verlag berlin; 2003.
22. Líng Shū 灵 枢: Yellow Emperor’s Inner Canon. Divine Pivot [Huáng-Dì Nèi-Jīng Líng Shū 黄 帝 内 经 灵 枢]. In.; approx. 1030 B. C. E. – 24 A. C. E.
23. Yamamoto MD, Ph. D. Toshikatsu: Yamamoto Neue Schädelakupunktur: Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Kötzing/Bayer Wald; 2005.


Apr 9 2016

touching the bare

von Dr. Raphael Hochstrasser

touching the bare

dephts beneath the veil
heart implosion
cold, motionless shaking
the shell drops
liberation, detachment
thrown back on oneself
no shelter, unveiling armor
directly affected
touching the bare
burning sensation
bitterly rejected – sweetlty injected
impulse set
emerging, blooming, flooded
reflection on rejection
swimming in the bitter-sweet sea of life.

 

Raffa, Frühling 16

Apr 7 2016

Eis ist schEiss und PECH ist PECH. Verletzungen nicht kühlen!

von Dr. Raphael Hochstrasser

PECH heisst: Pause Eis Compression Hochlagern und war in der Sportmedizin lange Behandlungstandard für akute Verletzungen am Bewegungsapparat. Doch, wie die Orthopäden der CM schon lange wissen: Eis ist schEiss, the real shit is heiss! Ja, Kälte schadet, Wärme hilft! Aber eigentlich wussten das nicht nur die alten Chinesen, auch moderne systemische Übersichtsarbeiten (Zusammenfassung wissenschaftlicher Studien, s. u.) kommen zu diesem Schluss.

Das was Eis vor allem macht, ist den natürlich Heilprozess einer Verletzung zu unterdrücken. Das kann bei Schmerzen und extremen Schwellungen manchmal sinnvoll sein, z. B. wenn ein Millioneneuro-Fussballspiel gewonnen werden muss. Doch eigentlich dient selbst eine starke Schwellungen der Heilung. Es ist die körpereigene Massnahme zur Stabilisierung der verletzten Stelle, so wie zur Erhöhung des lokalen Stoffwechsels.

Kühlung schadet nachweislich (s.u.) dem Heilprozess und der Leistungsfähigkeit der betroffenen Struktur. Gips (Shi Gao) ist das kälteste aller Chinesischen Arzneimittel und führt – wenn über Wochen um eine Gliedmasse gelegt – zu nachhaltiger Atrophie (Yin-Ausbeute).

Kälte in der Temperatur-dynamischen Behandlung (abwechselnd Kälte-Hitze) ist eine andere, vermutlich sinnvollere, Geschichte.

Chris Bleakley hat viele Studien zum Thema verglichen, eine seiner systematischen Übersichtsarbeiten:

Bleakley CM, Costello JT, Glasgow PD. Should athletes return to sport after
applying ice? A systematic review of the effect of local cooling on functional
performance. Sports Med. 2012 Jan 1;42(1):69-87. doi:
10.2165/11595970-000000000-00000. Review. PubMed PMID: 22121908.



Apr 7 2016

Wen Bing, Wēn Bìng, 4 Schichten, vier Schichten-Modell, Wärme-Erkrankungen

von Dr. Raphael Hochstrasser

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Wēn Bìng

溫 病 (chin: Wärme-Krankheiten)

Die erste Erwähnung über Wärme-induzierte Erkrankungen findet sich natürlich wie gewohnt im Huáng Dì Nèi Jīng Sù Wèn. Das sogenannte Wēn Bìng Lùn, die eigentliche Abhandlung darüber, entstammt aber einer späteren Zeit. Irgendwann kam nämlich das Bedürfnis auf, das Shāng Hán Lùn um Methoden zu ergänzen, die speziell bei epidemischen-, also infektiösen Volks-Krankheiten wirksam sind. Die wichtigsten Autoren des Wēn Bìng Lùn waren Wú Yòu Xìng (1582-1652), Yě Tiān Shì (1690-1760) und Wú Jū Tŏng (1758-1836).

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Diagnose

Das Prinzip des Wēn Bìng ist einfach: Bei febrilen Erkrankungen durch äussere Faktoren werden vier Schichten unterschieden: Die Wèi-Schicht, die Qì-Schicht, die Yīng-Schicht und die Xuè-Schicht. Sie stehen für den Charakter und die Tiefe, bis in welche die Krankheit vorgedrungen ist:

Schicht Tiefe Schweregrad Symptome
Wèi
Äusserliche Abwehrschicht Leichtgradiges Anfangsstadium Betrifft Kopf, Nase, Hals, Rachen, Atemwege, Husten, leichtes Fieber
Schicht der Qi wandelnden Instanzen Leicht- bis mittelgradig.
Das Zhèng Qì kämpft aktiv
Hitzezeichen, hohes Fieber, viel Schwitzen, Durst, starke und brennende Schmerzen
Yīng Innere Schicht der nährenden Instanzen Mittel- bis schwergradig.
Das Zhèng Qì und innere Ressourcen sind bedroht
Yīn-Leere-Hitze-Zeichen, hohes Fieber am Abend und in der Nacht, trockener Mund und Stuhl, Insomnie
Xuè Innere Schicht
Schwergradig bis lebensbedrohlich.
Die inneren Ressourcen sind beschädigt
Wie Ying-Ebene, zusätzlich mit Blutungen, Exkrete, Delirium, Koma

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Pathogenese

Wèi-Schicht:
Der pathogene Faktor (Xié Qì65) dringt von aussen ein und erzeugt Symptome in den oberen Körperöffnungen und Atemwegen. Das Yáng zeigt im Verhältnis zum Yīn ein leichtes Übermass.
Qì-Schicht:
Etwas tiefer beginnt der Kampf zwischen pathogenem (Xié-) und aufrechtem (Zhèng-65) Qì. Dieser Kampf führt einer Art Reibung, wordurch das hohe Fieber und die ausgeprägten Hitze-Symptome erklärt werden. Das Yáng zeigt im Verhältnis zum Yīn ein deutliches Übermass. Wird die Krankheit schwerer, geht sie noch eine Schicht tiefer, auf die…
Yīng-Schicht:
Die durch die Hitze verbrauchten Ressourcen führen zu Leere-Symptomen. Hier geht die Krankheit erstmals auch an die Substanz (Yīn), was sich durch Yīn-typische Symptome zeigt, wie: Verstärkung am Abend und in der Nacht, Trockenheit, etc. Wir das ganze noch schwergradiger, geht es auf die nächste Schicht, auf die…
Xuè-Schicht:
Sie entspricht dem Stadium der Yīng-Ebene, zeigt aber extremere Symptome. Typisch sind Blutungen aus verschiedenen Körperöffnungen, sowie spontane Hautausschläge oder Entleerungen von Exkreten. Das Yīn ist so stark geschädigt, dass auch das Yáng immer wieder kollabiert und es zu deliriösen und komatösen Zuständen kommt.

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Therapie

Akupunkte und Arznei-Formeln bei (toxischer-) Hitze auf der jeweiligen Ebene:

…Wèi
Du14, Di4, Di20 SJ5, Di11, Lu5, Bl12, Bl13 Sang Ju Yīn
Yīn Qiao San

Mi/Ma/Di: Huo Xiang Zheng Qi San, Lian Po Yin;
Lu: Ji Jian Wei Rui Tang, Qing Zao Jiu Fei Tang, Sang Xing Tang
…Qì
Ma: Di11, Ma 44, Ren12, Bl21

Di: Di11, Bl25, Ma 25, Bl25, SJ6 & Ni6 Verstopfung, Mi15

Lu: Lu1, Lu5, Di11, Bl12, Bl13, Ren17

Gb: Gb34, Di11, SJ5, Pe6, Gb43, Gb24, Pe7 & Gb38

Ma: Bai Hu Tang
Zhu Ye Shi Gao Tang)

Di: Da Cheng Qì Tang
Tao He Cheng Qi Tang, Xiao Cheng Qi Tang, Ma Zi Ren Wan, Xie Xin Tang, Hou Po San Wu Tang, Da Huang Mu Dan Tang

Lu: Ma Xing Shi Gan Tang
Xiao Xian Xiong Tang, Qing Jin Hua Tan Wan, Liang Ge San, Qin Jin Hua Tan Wan, Xin Yi Qing Fei Yin

Thorax & Zwerchfell: Zhi Zi Dou Chi Tang
…Yīng Pe3, Jing-Brunnenpunkte, Ni1 Qing Ying Tang
Zeng Ye Tang, Zeng Ye Cheng Qi Tang, Qing Hao Bie Jia Tang, Xi Jiao Di Huang Tang,
Pe: An Gong Niu Huang Wan, Zhi Bao Dan
…Xuè Bl17, Mi1, Mi10, Ni8, Pe8, BI25, Ma25 Xi Jiao Di Huang Tang
Zeng Ye Tang, Zeng Ye Cheng Qi Tang, Qing Hao Bie Jiao Tang, E Jiao Ji Zi Huang Tang, Zhi Bao Dan,
Le-Wind: Ling Yang Gou Teng Tang

Wichtige Einzel-Arzneien…

…mit nachgewiesen antibiotischem Effekt: Huang Lian, Huang Qin, Bai Tou Weng, Chuan Xin Lian, Hu Zhan, Huang Bai,  Ku Shen, Pu Gong Ying, Shan Dou Gen

…mit nachgewiesen antiviralem Effekt: Lian Qiao, Jin Yin Hua, Ban Lan Gen, Da Qing Ye, Ju Hua


Jan 28 2016

Publikationen Qì-Forschung

von Dr. Raphael Hochstrasser

Studien über das therapeutische Qì

 

1. Präsentation und Validierung der Vorrichtungen, um Akupunkturnadeln zwecks Verblindung bzw. Standardisierung zu insertieren und fixieren:

Hochstrasser RJ, Endler PC, Klein SD: Introduction of two novel devices for investigating the influence of non-mechanical components such as therapeutic qi in acupuncture. Journal of Integrated Medicine, 2013
[online open access] [pdf] [pubmed]

 

2. Die subjektive Wahrnehmung des therapeutischen Qi bei der Akupunktur:

Hochstrasser RJ, Endler PC, Klein SD: Perception of Therapeutic Qi, a Nonmechanical, Nonpsychological Factor in Acupuncture That Originates from the Therapist. Journal of Acupuncture and Meridian Studies, 2014
[online open access] [pdf] [pubmed]

 

3. HRV und das therapeutische Qi bei der Akupunktur:

Hochstrasser RJ, Endler PC, Klein SD: Einfluss des therapeutischen Qi auf die Herzratenvariabilität bei Akupunktur: Eine randomisierte kontrollierte Studie. Forschende Komplementärmedizin, 2015
[online open access] [pdf] [pubmed]

Zusammenfassung und Interview:

Hochstrasser RJ: Auf der Suche nach dem Qi. Zusammenfassung der Forschungsarbeit von RJH und Interview zum Studiengang am Interuniversitären Kolleg, Seggau, Graz. Yin Yang Journal, Verbandszeitschrift der SBO-TCM, Schweizerische Berufsorganisation für Traditionelle Chinesische Medizin, März 2016, S48-50.
[pdf]


Jan 23 2016

Die Quellen von Qi – Der biohumane Qi-Stoffwechsel

von Dr. Raphael Hochstrasser

Wie kommt denn das Qì in unser System? Wie und wo wird es aufgenommen und zu körpereigenem Qì und den Grundsubstanzen transformiert? Nun, es verhält sich ähnlich, aber doch ziemlich anders, als beim Metabolismus, wie wir ihn aus dem konventionellen Anatomieunterricht kennen.

Diese Schema zeigt den Qì-Stoffwechsel des Menschen. Grau und Gelb repräsentieren die Quellen Luft- und Nahrung, Grün repräsentiert das eigentliche Qì, Rot das Xuè (Blut) und Violett das Jīng (Essenz).

Physiologie der Grundsubstanzen Schema OHNE Jin Ye

 

Die Entstehung von Qì

Wir beginnen bei Gelb bzw. der Mitte. Dazu musst gesagt werden, dass die Mitte gemäss CM aus Magen und Milz bestehen, wobei Milz eher in etwa dem entspricht, was im konventionell-anatomischen Verständnis unter dem Dünndarm inklusive der dort angereicherten Verdauungssäfte (z. B. von Pankreas und Gallenblase) verstanden wird. Die Mitte ist also jene Instanz, welche den Nahrungsbrei zu Gŭ Qì (Nahrungs-Qì) umwandelt. Das Gŭ Qì steigt hinauf in den Thorax, wo es sich mit dem aus der Luft gewonnen Kōng Qì (Atem-Qì) zunächst mal zu Zōng Qì (Thorax-Qì) vereint. Von dort nimmt es zwei Wege: Der Yáng-Weg führt dann schliesslich zum eigentlichen Qì, dem Zhèn Qì (Wahres Qì). Wenn mal von nicht weiter spezifiziertem Qì im Menschen die Rede ist, dann handelt es sich um dieses Qì. Zhèn Qì kann aber auch wiederum in zwei Aspekte aufgeteilt werden: In das nährende, blutähnliche Yíng Qì (Nähr-Qì), sowie in das schützende und abwehrende Wèi Qì (Abwehr-Qi).

Nochmals als Kurzformel (=> steht für Yúan Qì):
(Nahrung -> Milz = Gŭ Qì) + (Luft -> Lunge = Kōng Qì) => Zóng Qì => Zhèn Qì (= Yíng Qi + Wéi Qi)

 

Die Entstehung von Xuè

Der Yīn-Weg des Zōng Qì (Thorax-Qì) führt zum Herzen, wo es unter Mithilfe weiterer Instanzen zu Xuè (Blut) gewandelt wird. Xuè hat aber noch eine weitere Quelle: Das in den Nieren gespeichertem Jīng, bzw. sein Yīn-Aspekt, das Mark bzw. schliesslich Knochenmark beliefert das Herz mit der zweiten Ingredienz zur Herstellung von Xuè (Blut). Bleibt nur noch der Yáng-Weg des Jīng: Das Yuán Qì. Es ist jene feinstoffliche Form von Jīng, welche sämtliche Transformationsprozesse steuert und unterstützt.

Nochmals als Kurzformel (=> steht für Yúan Qì):
((Nahrung -> Milz = Gŭ Qì) + (Luft -> Lunge = Kōng Qì) => Zóng Qì)) +
(Zeugung + geläuterte Nahrung -> Nieren inkl. Jīng) -> Mark -> Knochenmark)
=> Herz => Xuè

 

Jīn Yè

Die Entstehung der Jīn Yè (Säfte) ist eine kontroverse Geschichte. Die Darstellungen der verschiedenen Klassiker und modernen Quellen gehen nicht nur weit auseinander, sondern entbehren auch jeglicher klinischer Relevanz. Daher sei der Säfte-Metabolismus hier – abgesehen von zwei Kommentaren – auf die bildliche Präsentation des Schemas belassen. Die zwei Kommentare: Grundsätzlich enstehen die Säfte im Magen (oder aus dem bereits durch die Mitte transformierten Gŭ Qì) und werden in reine (Jīn) und unreine (Yè) Anteile aufgeteilt und wieder ausgeschieden. Irgendwo gerät die geläuterte Nahrung dann wieder in Form von pränatalem Qì zu den Nieren und könnte zu Jīng werden.

Physiologie der Grundsubstanzen Schema MIT Jin Ye

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qì-Formen

Es existieren viele verschiedene Haupt- und Unterformen für Qì. Hier eine Übersicht jener Bezeichnungen, die in der CM am häufigsten verwendet werden:

Qì Form   Deutsch Definition
Gŭ Qì 谷气 Nahrungs-Qì Aus dem Nahrungsbrei geläutertes Qì
Kōng Qì 空气 Atem-Qì Aus der Luft gewonnenes Qì
Zōng Qì* 宗气 Thorax-Qi Produkt von Kōng Qì und Gŭ Qì
Zhēn Qì 真气 Wahres Qì Aus Yíng Qì und Wèi Qì bestehend
Wèi Qì 卫气 Abwehr-Qì Korrelat: Immunsystem
Yíng Qì 营气 Nähr-Qì Yīn Aspekt des Qì, ähnlich wie Blut/Xuè
Qì Nì 气逆 Rebell-Qì Gegenläufiges Qì (z. B. Schluckauf, Husten)
Hàh Qì 哈气 Niess-Qì Das Qì beim Niessen**
Jīng Qì 经气 Leitbahn-Qì Qì, das in den Leitbahnen fliesst
Xiè Qì 邪气 Ungesund-Qì Krankmachende (pathogene) Einflüsse
Zhèng Qì 正气 Aufrechtes-Qì Gegen Xiè Qì kämpfendes (salutogenes) Qì
Yuán Qì 元气 Ursprungs-Qì Yàng-Aspekt von Essenz/Jīng
Zhōng Qì 中气 Mitte-Qì Qì der Mitte und des Zōng Qì

* Ein anderer, selten verwendeter Name für Zōng Qì lautet Xiōng Qì
**Ridiculum: רָפָאֵל rafa’el (god bless you) 1976:13.7


Sep 14 2015

Liù Jīng – Shānghán Lùn – 6 Schichten

von Dr. Raphael Hochstrasser

Bereits im Huángdì Nèijīng Sùwèn (Kapitel 66) werden je drei Yáng- und drei Yīn-Qualitäten von Qì unterschieden. Später hat der Arzt Zhàng Zhòng Jīng (50-150 n.u.Z.) sein Lebenswerk, das Shānghán Lùn auf ebendieser Basis, bzw. auf den sogenannten 6 Schichten, verfasst. Nicht nur das, er hat alle wichtigen, bis dahin veröffentlichten Arzneiklassiker zusammengefasst und daraus ein ausgeklügeltes, dafür nicht so einfach zugängliches Werk für die Praxis geschaffen.

Das Shānhán Lùn ist zu zwei 3er-Gruppen bzw. in 6 Abschnitte aufgeteilt, jedem davon werden zwei Funktionskreise inklusive Leitbahnpaare zugeordnet:

3 Äussere (Yáng) Schichten:

  • Tàiyáng 太陽             Bl &
  • Shăoyáng 少陽          SJ & Gb
  • Yángmíng 陽明          Di & Ma

3 Innere (Yīn) Schichten:

  • Tàiyīn  太陰                Mi & Lu
  • Shàoyīn 少陰              He & Ni
  • Juéyīn  厥陰                Pe & Le

Jeder Abschnitt im Shānghán Lùn beinhaltet Diagnose und Behandlung zahlreicher Ungleichgewichte der jeweiligen Schicht. Schicht ist allerdings keine optimale deutsche Übersetzung, chinesisch heisst es Jīng (Leitfaden/Prinzip/Stufe/confirmation/stage, etc.). Das 6-Schichten-Modell wurde ursprünglich zur Vorhersage meteorologischer Vorgänge genutzt. In der CM dient es daher zum Verständnis der Zusammenhänge der Vorgänge im Umfeld (Makrokosmos) und den entsprechenden und gleichbenannten Systemkreise im Körper (Mikrokosmos). Anders gesagt: Wenn eine Kraft im Organismus pathologisch behindert wird, dann geschieht dies häufig durch einen korrespondierenden exzessiven makrokosmischen Einfluss.

Beispielsweise wird das sogenannte Tàiyáng-Syndrom durch das Eindringen von Tàiyáng-Kälte von Aussen verursacht. Das Modell dient aber auch zum Verständnis des Qi-Metabolismus per se. Grob gesagt bringt die Yáng-Gruppe (Tàiyáng, Shăoyáng und Yángmíng) das äussere Qì ins Innere und gleicht die natürliche Tendenz des Yáng nach aussen zu strömen aus. Die Yīn-Gruppe (Tàiyīn, Juéyīn und Shàoyīn) verwaltet das von der Yáng-Gruppe gelieferte Qì im Innern und gleicht die natürliche Tendenz des Yīn nach unten abzusinken aus. Zudem wird jeder Schicht ein Pathogen und ein physiologischer Faktor zugeschrieben:

  • Tàiyáng – Äusserstes Yáng (öffnen) / Kälte bzw. kühlen
  • Shăoyáng – Kleines Yáng (Scharnier) / Feuer bzw. feuern
  • Yángmíng  – Helles Yáng (schliessen) / Trockenheit bzw. trocknen
  • Tàiyīn – Äusserstes Yīn (öffnen) / Feuchtigkeit bzw. befeuchten
  • Shàoyīn – Kleines Yīn (Scharnier) / Hitze bzw. wärmen
  • Juéyīn – Äusserstes Yīn (schliessen) / Wind bzw. bewegen

Oft wird davon ausgegangen, dass die Pathologien umso gravierender seien, je tiefer die betroffene Schicht liegt. Das stimmt nur bedingt, denn die sechs Schichten arbeiten nicht etwa seriell, sondern parallel und sind immer alle aktiv bzw. involviert. Krankheiten bewegen sich auch nicht immer schön von Schicht zu Schicht, von innen nach aussen, etc., sondern in verschiedensten Abfolgen. Man bedenke, dass die Schichten nicht bloss Leitbahn-Paare, sondern Funktionskreis-Paare beinhalten.

Tàiyáng…

…fungiert mit seinen äussersten Leitbahnen (Jīng) Bl & Dü als Öffner ins Äussere, vor allem gegen Wind und Kälte im OJ, Nackenbereich und zusammen mit dem Dū Mài der gesamten Körperrückseite. Mit seinen Organen (Fŭ) ist er zuständig für die Ausscheidung von Flüssigkeiten über das Miktions- (Bl) und Defäktionssystem (Dü). Die Betonung des Tàiyáng-Kapitel im Shānghán Lùn – es nimmt über die Hälfte des Werkes ein – liegt vor allem auf der von Aussen nach Innen-Funktion. Für seine Aufgabe wird ihm vom System verhältnismässig die grösste Menge Wèi Qì zugeteilt. Denn wenn einmal pathologisches Qì den Tàiyáng überwältigt hat, wird der Öffnungsmechanismus des Körpers gestört, die Zirkulation des Oberflächen-Yáng stagniert und damit beginnt die Krankheit im Inneren.

Klassisches Syndrombild:
Gleichzeitig Fieber & Frösteln, Wind-Kälte, Nackensteifigkeit

P: o’flächlich & gespannt oder tief
Klassische AM bei Tàiyáng-Kälte:
Ma Huang Tang, Gui Zhi Tang, Ge Gen Tang, Wu Ling San (Fu)

Tàiyáng-Akupunkte:
Dü3     Du-Mai-Öffner, ShuP, HolzP (=Sehnen), TonisierenP, EPF ausl.wärmen und stark bewegen, Du-Mai-Öffner
Dü4     Yuan-QìP, EPF ausl.
Dü5     FeuerP
Dü6     Xi-SpaltenP, Nacken- und Leitbahnstagnationen, Augen
Bl60    FeuerP, Sehnen, Fülle im OJ ausleiten
Bl62    YangQiaoMai-Öffner, Wind, Sehnen
Bl63    Xi-SpaltenP, Sehnen, UJ
Bl65    ShuBachP, HolzP, SedierungsP

Shăoyáng…

…fungiert als Drehscheibe der Yáng Qualitäten des Qì. Er reguliert den Qì-Fluss (SJ) und die Dosis des Feuers und der Hitze (von Le-Gb, Yuán-Qì und Míngmén). Beziehung zu Yáng Wèi Mài und Dài Maì.

Klassisches Syndrombild:
Alternierendes/intermittierend Fieber & Frösteln, Le-Gb Symptome, kalte Hände und Füsse, weil das Yang noch oben entweicht
P: drahtig/gespannt

Klassische AM:
Huang Qin Tang, Xiao Chai Hu Tang, Si Ni San (kalte Fingerspitzen), Si Ni Tang (kalte Finger), Dang Gui Si Ni Tang (kalte Hände), …Chai Hu Tang Variationen (Fu)
Shăoyáng-Akupunkte:
Gb34   Hui-Sehnen, bewegen, ErdP, He-MeerP
Gb37   Feuer, Augen, LuoP
Gb41   ShăoyángP, DaiMai-Öffner, ShuP, HolzP,
Le3      bewegen, ShuB, ErdP, YuanQiP
SJ3      Hitze, Feuer im OJ, ShuP, HolzP
SJ5      ShăoyángP, LuoP, YangWeiMai-Öffner
SJ6      Hitze/Feuer klären, FeuerP, Di-Stuhl

Yángmíng…

als Innerstes der äusseren Gruppe repräsentiert den Verdauungstrakt, sorgt für das Verdauungsfeuer, sowie für die erste Zersetzung und Trennung des Nahrungsbreis. Er bildet den Übergang zur inneren Gruppe (Yīn) und auch eine enge Beziehung zum Tàiyīn, was das funktional sehr eng verknüpfte Zàng Fŭ-Paar Mi-Ma verdeutlicht.

Klassisches Syndrombild:
Fu: Hitze-Obstipation, starke Bauchsz.
Jing: “4 Grosse”
P: riesig

Klassische AM:
Ge Gen Tang, Bai Hu Tang (Jing), Cheng Qì Tang Variationen (Fu), Ma Zi Ren Wan (Fu)
Yángming-Akupunkte:

Di1 & Ma45   bluten lassen um schnell akute Hitze auszuleiten, Shen beruhigen
Di4                  EPF, va. Gesicht, YuanQiP
Di6                  Hitze, Gesicht/OJ, LuoP
Di10                Yángmíng-Feuer stärken (oberer Ma36, „ZuSanLi“)
Di11                Hitze klären, Nahrungsaufnahme (Assimilation) verbessern, ErdP
Ma36               Yángmíng-Feuer stärken, regulieren, tonisieren, ErdP
Ma37               Nahrungsstagnation, Völle
Ma40              bewegen, Gesicht-Kollateralen
Ma44              Hitze nach unten ausleiten
Ren11/12        moxieren um Yángmíng-Feuer zu stärken

Tàiyīn…

…bzw. das Äussereste des Inneren empfängt den vom Yángmíng vorbereiteten Nahrungsbrei (Gŭ Qì) und die Luft (…aus der Atmung: Kōng Qì) zur Umwandlung in für den Körper verfügbares Qì (Zhēn-Qì). Zhēn-Qì besteht aus Yīng-Qì und Wèi-Qì, also aus Nähren und Schützen (Immunsystem), wobei der nährende Aspekte eher der Mi zugerdnet wird und der schützende Aspekt eher der Lu. Entsprechend ihren Aufgaben ist das Yīng-Qì ist eher gleichmütig (Yīn) und Wèi-Qì eher wild (Yáng). Diese Eigenschaft geht auch über die reinen Konzepte von Wèi-Qì und Yīng-Qì hinaus: Dank der hohen Mobilität des Qì (Lu) kann es dort verfügbar gemacht werden, wo es gebraucht wird. Mittels Atmung lässt sich das Qi bewusst (Shén) steuern und beispielsweise in eine bestimmte Muskelgruppe lenken. Man denke an die Kampflaute der Samurai Krieger oder an den natürlichen Reflex bei hohem Kraftaufwand die Luft anzuhalten. Ein weiteres Korrelat, um sich die gemeinsame Funktion von Mi & Lu zu verbildlichen, ist die Zellatmung. Bei dieser wird in den Mitochondrien Adenosintriphosphat (ATP) aus der Nahrung (Glucose) gewonnen. ATP ist ein einfacher, universeller Energieträger, also vergleichbar mit Qi. Interessant ist dabei auch, dass beim Aufspalten der Nahrung Wärme (Qì wärmt!) abgegeben wird.

Typische Yángmíng-Muster betreffen daher Feuchtigkeit, Metabolismus (eher Mi), Qì- und Blut-Bewegung (eher Lu). Ein klassisches Leere-Fülle-Muster in Kombination mit dem Yángmíng lautet Tàiyīn-Xū und Yángmíng-Shì bzw. Mi-Qì-Leere und Ma-Hitze bzw. Feuchte/Adiposität und Heisshunger. Therapeutische Antworten darauf wären z. B. Mi3/4, Ren12 und Ma44/45, sowie Ban Xia Xie Xin Tang. Was das Shén betrifft, wäre Traier und Sorge ein typisches emotionales Yángmíng-Feld.

Ein hervorragender Grundstein zur Behandlung von Tàiyīn-Mustern bilden übrigens Bai Shao und Gui Zhi. Warum denn Bai Shao? Weil es neben der Le vor allem der Mi zugeordnet wird und weil es so spezifisch wie kein anderes Mittel das Ying-Qì nährt! Guì Zhī hingegen tonisiert das Weì-Qì und weist einen starken Lu-Bezug auf. Eine weitere Eigenschaft der Zimtäste ist ihr ausbreitender Charakter von hoher Mobilität und Verfügbarkeit.

Klassisches Syndrombild:
Erbrechen & Diarrhö durch Leere („Mi-Yang-Leere“)
P: moderat.

Klassische AM:
Gui Zhi Ren Shen Tang, Li Zhong Wan (Yáng), …Zhong Tang Variationen

Tàiyīn-Akupunkte:
Ren12             Lu über die Mi stärken (als Mutter, Wŭ Xìng)
Lu5                 regulieren
Lu6 & Mi8     Blut bewegen
Lu9                 postnatale Blut- (und Qì-)Bildung
Mi3                 postnatale Qì- (und Blut-)Bildung
Mi9                 Feuchte
Ni3                  Lu über Ni-Yang (gemeinsame Wasserfunktion) stärken
Lu5 & Mi9      Starterkombo (Lu-Qì bewegen und Mi-T&T)

Shàoyīn…

ist vor allem für das Feuer- und Stagnations-Management zuständig. Die Shàoyīn-Jīng (Leitb.) für das Ausleiten von Feuer und Hitze, va Hitze-Stagnation aus den Yīn-Kollateralen. Die Shaoyin-Fù (Organe) sond eher für die Wärmequelle im Körper zuständig. Die Wärmequelle, also das Míngmén entspringt zwischen der li & re Ni und liefert das Yuán-Qì zur Unterstützung aller Qì-Transformationsvorgänge (man bedenke die Fähigkeit des Mingmen aus Wasser Feuer zu generien). Nochmal: Feuer/Wärme meint hier die Wärmequelle (Míngmén). Und das Bewegen ist im Sinne der Transformationsfähigkeit des Yuán-Qì, sowie der Dynamik der He-Ni-Achse gemeint.

Ein sehr typisches Shàoyīn-Muster ist Ni-Yīn-Leere mit He-Yáng-Fülle, AM: Tian Wang Xu Xin Dan. Aus diesem Verständnis macht auch Dào Chi San bei trübem Urin Sinn, denn das Shàoyīn versucht bei Hitze im He über die Ni bzw. Bl/Urin auszuleiten. Bei diesem Muster hilft es nun mal tatsächlich, viel zu Trinken! Reichlich klarer Urin hingegen indiziert eine Ni-Yáng-Leere: Das System versucht kühlendes Wasser durch Shàoyīn (Ni = Kühlung) über Tàiyáng (Bl) auszuscheiden.

Klassisches Syndrombild:
Yin-Leere-Hitze oder Yang-Leere, Palpitationen („He-Yin-Leere“)
P rechts: tief
Klassische AM bei Shàoyīn-Kälte:
Si Ni Tang, Gui Fu Li Zhong Tang, Zhu Li Tang, Si Shen Wan, Zhen Wu Tang (+Taiyin), Huang Lian E Jiao Tang (Hitze), Qing Hao Bie Jia Tang (Hitze)

Shàoyīn-Akupunkte:
He3     Hitze klären, WasserP
He5     He-Qì und Yīn stärken, LuoP
He7     He-Qì, Xue, Yīn ton., He-Qi reg., ShuB, YuanQiP
Ni3      Ni-Yīn und Yáng stärken, ShuB, ErdP, YuanQiP
Ni4      Leere-Hitze, LuoP
Ni6      Ni-Yīn stärken, Rachen, Ni-Qì-Empfangen, YīnQiaoMai-Öffner
Ni7      Ni-Yīn und Yáng, Wasserfnkt, MetallP
Ni10    Ni stärken, Wasser im UJ, WasserP
Bl10    WK, va Kopf, Sehnen
Lu5     Ni über Lu (gemeinsame Wasserfnkt) stärken

Juéyīn…

…bildet das Innerste der sechs Systeme als Schliesser. Es „schliesst“ z. B. den endogenen Wind, speichert und sorgt für die richtige Bewegung des Blutes (Pathologische Form = Blutungen). Durch den Pe hat Shàoyīn eine starke Verbindung zum Herzen bzw. den Koronararterien und den Herzmuskeln, die Le erklärt die Beziehungen zu den Blutfunktionen wie Speicherung, Reinigung und Zustellung, womit auch eine Beziehung zum Chōng Mài deutlich wird.

Klassisches Syndrombild:
rennendes Ferkel-Synd., Diarrhö, Erbr.
P: gespannt oder tief

Klassische AM:
Wu Mei Wan, Dang Gui Si Ni Tang
Juéyīn-Akupunkte:

Pe4      Pe reg., Hitze, Blutungen, Xi-SpaltenP
Pe6      He stärken und Qì bew., Thorax, LuoP, YinWeiMai-Öffner
Pe7      He-Feuer, Yuan-QiP, ErdP
Le2      FeuerP, Le-Feuer, FH im UJ
Le3      Le-Qì bew., Le-Xue nähren, ShuB, ErdP
Le5      FH im UJ, Le-Qì bew., LuoP

Shānghán Lùn-Artikel auf www.tcmaarau.ch.

Keywords: Liù Jīng Liu Jing Shānghán Lùn Shang Han Lun Shāng Hán Lùn
Shanghan Lun Shanghanlun 6 Schichten Sechs Schichten 6-Schichten
Taiyang Tai Yang Tài Yáng Shaoyang Shao Yang Shăo Yáng Yangming Yáng Míng 
Yang Ming Taiyin Tai Yin Tài Yīn Shào Yīn Shaoyin Jué Yīn Jueyin Jue Yin
Zhangzhongjing Zhàngzhòngjīng Zhàng Zhòng Jīng Zhang Zhong Jing 
六经辨证  Liù Jīng Biàn Zhèng Liu Jing Bian Zheng
伤寒论 Shānghán Lùn
 

Apr 22 2015

Hobby oder Profi-Heiler?

von Dr. Raphael Hochstrasser

Hast Du schon mal beobachtet, wie alleine die Anwesenheit eines Säuglings im Raum einen heilenden Einfluss auf die Mitmenschen ausübt? Jeder Mensch verfügt von Grund auf über eine Vielzahl von Fähigkeiten, sich selber und andere Menschen zu heilen. Je nach Lebensphase und aktuellem Zustand können simple Handlungen, wie z. B. das wohlwollende Auflegen der Hand bei einem Mitmenschen, heilend wirken.

Wozu dann eigentlich ein halbes Leben investieren, um die Kunst der Chinesischen Medizin zu erlernen? Nun, der heilende Einfluss einer wohltuenden Hand oder eines Freundes ist nicht zu unterschätzen, aber eben auch nicht immer ausreichend. Wir Menschen verstricken uns immer wieder von neuem in Alltagsmechanismen und allerlei Mustern. Die Chinesische Medizin bietet mit ihrem empirischen und über Jahrtausende ausgereiften Wissensschatz eine Palette von ausgefeilten Werkzeugen, die in schwierigen Situationen helfen, aber auch als generelle ‚Bedienungsanleitung‘ fürs Leben dienen. Sie ist derart bewährt, dass sie selbst dann noch einigermassen wirkt, wenn der Therapeut mal einen schlechten Tag und eigentlich gar kein besonders heilendes Händchen hat. Falls doch, natürlich noch besser :o)


Apr 1 2015

Tyger von William Blake

von Dr. Raphael Hochstrasser

Monumentales Gedicht von William Blake:

Tyger Tyger, burning bright, 

In the forests of the night; 
What immortal hand or eye, 
Could frame thy fearful symmetry?

In what distant deeps or skies 
Burnt the fire of thine eyes? 
On what wings dare he aspire? 
What the hand, dare sieze the fire?

And what shoulder & what art, 
Could twist the sinews of thy heart? 
And when thy heart began to beat, 
What dread hand? & what dread feet?

What the hammer? What the chain, 
In what furnace was thy brain? 
What the anvil? What dread grasp, 
Dare its deadly terrors clasp!

When the stars threw down their spears 
And water’d heaven with their tears: 
Did he smile his work to see?
Did he who made the Lamb make thee?

Tyger Tyger, burning bright, 
In the forests of the night; 
What immortal hand or eye, 
Dare frame thy fearful symmetry? 

Es gibt etliche deutsche Fassungen, diese hier kommt meiner Meinung nach dem Groove des Originals am nächsten:

Tiger, Tiger, Flammenpracht
in der Wälder dunkler Nacht:
Welcher Schöpfer, welcher Gott
Schuf dich der Angst gebiert und Tod


In welch‘ Himmeln Ungeheur
schmolzen Deiner Augen Feuer?
Auf welch‘ Flügeln unbenannt,
flog der, der ergriff den Brand?


Welcher Schulter Können wand
Deines Herzens Sehnenstrang?
Wer, als Herzens Schlag begann,
furchtbar Hand und Fuß ersann? 


Welche Kette, welcher Hammer
in welch Ofen dein Verstand?
Welcher Amboss, welch‘ grausger Atem,
Deine Todesschrecken hält?


Als der Sterne Speer herab
Tränen unsrem Himmel gab:
Hat vollbracht er’s und gelacht,
sowohl Lamm wie Dich gemacht?


Tiger, Tiger, Flammenpracht
in der Wälder dunkler Nacht:
Welches Auge, welche Hand
wagten Deines Schreckens Brand


Mrz 26 2015

Liebe ist blau.

von Dr. Raphael Hochstrasser

Das Leben ist ein stetiger Fluss. Wie sehr wir auch schwimmen oder uns hingeben – nichts vermag seinen Lauf aufzuhalten.

Nur wer liebt kann weinen. Gott schenkt uns Leben, wir schenken ihm unsere Tränen.

Liebe ist blau.

 

Raffa, Frühjahr ’15


Jan 11 2015

Souveränität und Unsicherheit

von Dr. Raphael Hochstrasser

Herzhafte Unsicherheit ist eine Qualität der Souveränen.

Raffa, Jan.15


Nov 24 2014

Wanderer

von Dr. Raphael Hochstrasser

Einst erwacht und erblüht als strahlender Stern – hoffnungsvoll.
Getrieben bis zur Explosion am Zenit.
In dunkle Welten gestürzt.
Gekämpft, gewonnen, zerronnen, auferstanden. Immer wieder. Rastlos.
Der Harnisch der jugendlichen Zuversicht fiel. Blösse. Nacktheit.
Dort, am Grunde, erkannte ich mich: Kein gleissender Stern, nicht hell, nicht erleuchtend oder strahlend, ein sanftes Licht nur.
Ich bin ein Wanderer und trage ein kleines, goldenes Licht in mir, doch dies gewiss.

Raffa 08.14


Sep 15 2014

Was ist älter: Yoga oder CM…?

von Dr. Raphael Hochstrasser

Keine Panik, nur Historie!

Yoga und Chinesische Medizin (CM), von den Anhängern beider Disziplinen wird gerne behauptet, es handle sich um die älteste Wissenschaft der Menschheit. Meiner Meinung nach ist das eindeutig… Meinungssache! Die Realität liegt nicht in den Fakten, sondern dahinter. So wird das Argumentarium der Yogis meist von einem Fund eines Steinsiegels aus dem Indus-Tal angeführt. Es wird auf 3’000 Jahre alt geschätzt und zeigt eine sitzenden Person, deren Fussflächen aneinanderliegen. Yoga? Na ja. Auf einer derart spekulativen Ebene dürften dann mindestens auch die bis auf 10’000 Jahre zurückdatierte Steinnadeln für Akupunktur und Chinesische Medizin ins Rennen gebracht werden. Und wie sieht es mit schriftlichen Nachweisen aus? Das Yì Jīng ist ein immerhin 3’100 Jahre altes Orakelbuch, mit welchem heute noch gerne in der täglichen CM-Praxis gearbeitet wird. Die Yogis kontern und ziehen die Rig Veda, 4’000 Jahre alt. Doch diese enthält genauso wenig Konkretes über Yoga, wie das Yì Jīng über CM. Die heutzutage hauptsächlich verbreitete Yogapraxis und die Asana-Stile gehen nämlich vor allem auf eine kleine Gruppe von indischen Lehrern aus dem 19. Jahrhundert zurück. Ebenso erhielt die CM, wie sie heute hauptsächlich praktiziert wird, erst in den 60er Jahren durch die Kulturrevolution ihre letzte wesentliche Formgebung. Doch abgesehen von dieser histerischen, ähm historischen Diskussion sind einige inhaltliche Überschneidungen der beiden Künste interessant und vielleicht sogar von therapeutischem Nutzen….

Besonders über spannenden Korrelate wie „Kundalini = Du-Mai & Nieren-Jīng“, „Mula-Banda = Nieren-Schale“, „Yīn = Tamas“, „Yáng = Rajas“ gibt’s mehr in meinem irgendwann (2017?) veröffentlichten Buch (Das Yīn der Medizin). Natürlich werden da auch die Wirkungen bestimmter Asanas auf CM-spezifische Funktionskreise erläutert.


Jul 3 2014

AM bei hotflashes / Klimakterium – Kurzliste

von Dr. Raphael Hochstrasser

Kurze Inspiration für Verschreiber…

Sheng Di (Yin-Leere Hitze, Hitzewallungen)
Shu Di (Yin-Leere, Blut-Leere)
Gou Teng (normal eigentlich v.a. Le-Yang absenken, aber bei hotflashes auch Leere-Feuer & Shen beruhigen)
Di Gu Pi (Yin+, Le-F, Lu abst., Haut, Zähne & Bai Wei (Yin+ und Leere-F, F u tox. H, Lu abst.)
Lian Zi Xin (He-F, ben. Shen, Ni-Jing)
Fu Xiao Mai (Schwitzen und hysterisch)
Huang Lian (He, Le, Ma Feuer, FH und tox. H, Augen, Zähne, Ma-Absteigen)
Zhu Ru (He & Ma-Schleim Feuer)

Top-Schwitzen stoppen:
Huang Qi (Wei-Qi-Poren kontrollieren)
Wu Wei Zi (adstringieren)
Long Gu
Bai Shao