Unterschied zwischen Religion und Spiritualität

von Raffa

Es wird hier gemäss Wortbedeutung unterschieden:

Spiritualität: lat. spiritus = Hauch, Atem, Geist = „Geistigkeit“ (im Sinne von nicht-stofflichem Leben)
Religiösität: lat. relegere = Rückbindung = An- oder Wiederverbindung (mit Gott oder einer Lehre)

Wenn es um das Vermitteln und Verstehen metaphysischer Weisheiten geht, ist einerseits Vorsicht geboten – manch‘ ein spiritueller (=geistiger) Lehrer oder gar eine spirituelle Gemeinschaft neigt zu Religiösität im Sinne von Bindung an dessen Vertretern bzw. Lehre, Schriften, Meistern, Institutionen, etc.. Dabei wird unser Bedürfnis nach Anhaftung ausgenutzt und die Bindung an eine bestimmte Lehre als Hingabe des Schülers gegenüber der spirituellen Autorität eingefordert. Doch mit dem tief verankerten Trieb zur der Befreiung der Seele wird nicht die Bindung an die von Menschen geschaffen Religionen angestrebt, sondern Gott selbst. Ein Paradox: Die Religion kann helfen, spirituelle Praktiken einzuhalten, um sich von Anhaftungen zu befreien, wozu insbesondere die Religion selbst zählt. Das grosse Ganze, Dao, die Liebe, das Wesen des Universums oder Gott ist so allumfassend, dass die Wiederverbindung (religere) damit erst in völliger (engl. whole, Ganzheit, heilig) seelischer Freiheit möglich ist.

Aus diesem Grunde propagiere ich spirtituelle Autonomität als Grundrecht jedes Menschen. Soziale Gemeinschaften werden bis zu einer gewissen Grösse durch einen gemeinsamen spirituellen Fokus zwar sehr stark angetrieben, doch sobald eine kritische Grösse erreicht ist, entstehen Glaubensunterschiede mit fataler Konsequenz. Wenn jemand oder eine Gemeinschaft davon überzeugt ist, DIE Wahrheit zu kennen, ist das eine Grundlage zu Missverständnissen und der Anfang von Konflikten, Gewalt bis hin zu Kriegen. Wer überzeugt davon ist oder behauptet, etwas zu Wissen, was andere (noch) nicht wissen (Geheimnis, Sakrament), beansprucht einen Machtvorsprung für sich. So sehr ich mir für mehr Liebe, Gleichmut und Segen auf der Welt eine spirituellere Gesellschaft wünsche, erachte ich (und schon beginnt die Überzeugung und das Missverständnis ;o) eine sakuläre („geheimnis“- und dogmenfreie) Organisation der Gesellschaft (Politik) als Grudlage für die autonome Spiritualität bzw. die Möglichkeit für völlige, seelischer Freiheit und persönlicher Liebe zu Gott.


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