Rhinitis & Sinusits (Sonntagszeitung)

von Raffa

von U. Gebhardt für die Sonntagszeitung vom 11.01.2009
Dieser Artikel ist also nicht von mir, sondern von hier: http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=60050. Und weil solche Artikel leider früher oder später wieder vom Netzt genommen werden, habe ich ihn hier mal vor dem Verschwinden gesichert.

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Wenn die Nase läuft, haben die Viren verloren
Mit viel Flüssigkeit wird der Schnupfen weggeschwemmt

Von Ulrike Gebhardt

Ob im Kindergarten oder im Konzert: Schniefnasen trifft man in der kalten Jahreszeit überall, denn kleinen wie grossen Nasen macht besonders die trockene Luft in überheizten Räumen und Autos zu schaffen. Dann können sich winzige Risse in der schützenden Nasenschleimhaut bilden – eine willkommene Einladung für Erkältungsviren, sich häuslich niederzulassen. Häufige Gäste sind die sogenannten Rhinoviren, denen es gerade bei einer Nasentemperatur von 33 bis 35 Grad Celsius besonders gut geht.

Eigentlich sollte das nicht passieren, denn die Nase besitzt ein raffiniertes Reinigungssystem. Schliesslich muss sie tagtäglich mit bis zu 20 000 Liter Atemluft fertig werden, inklusive allem, was gerade so herumschwirrt: Staub, Pilzsporen, Russ, Pollen oder eben Erkältungsviren, die der Nachbar in der Kassenschlange in die Gegend prustet.

Bei echtem Virusschnupfen schwellen die Schleimhäute an

Wie ein Filter schützt die rötlich-blass gefärbte Schleimhaut vor den mehr oder minder gefährlichen Partikeln. Sie kleidet sämtliche Atemwege, also auch die Nasenhaupthöhle und die angeschlossenen Nebenhöhlen, aus und ist im gesunden Zustand von einer dünnen Schleimschicht überzogen. Ungefähr die Hälfte der bisher identifizierten Eiweisse in diesem Schleim steht im Dienste der Körperabwehr, greift also Eindringlinge wie Bakterien oder Viren an.

An der Oberfläche ist der Nasenschleim zäh wie Honig. Hier werden Fremdkörper aller Art abgefangen. Für den Abtransport der gebundenen Störenfriede auf einer dünnflüssigen und gleitfähigeren unteren Schleimschicht sorgen winzige bewegliche Härchen auf den Wandzellen der Nasenhöhlen. Die Spitzen dieser Härchen greifen in die obere Schleimschicht und bewegen sie durch gezieltes Schlagen wie beim Rudern in eine genau festgelegte Richtung. Schliesslich landet alles im Rachen und wird geschluckt.

Im Winter erfüllt die Schleimhaut noch eine weitere Funktion: Sie erwärmt und befeuchtet die Atemluft. Dafür wird die Nasenheizung voll aufgedreht. Wie die Lamellen einer Zimmerheizung sind dabei hauptsächlich die «Nasenmuscheln» aktiv, drei wulstige Gebilde, die an der hinteren seitlichen Nasenwand liegen. Das Gewebe wird zudem stark durchblutet und sondert eifrig ein wässriges Sekret ab. Was erklärt, warum bei eisiger Kälte nicht hinter jeder roten Rotznase ein Schnupfen steckt.

Bei einem echten Virus-Schnupfen schwellen die Schleimhäute und auch die Nasenmuscheln an, die Nase ist verstopft und gibt viel weissliches, zähes Sekret ab. Ausserdem wandern Horden von Immunzellen ein, um die Eindringlinge wieder abzuschütteln. Bei etwa einem Drittel der Infektionen gelingt es der Nase, die Viren schnell wieder loszuwerden. In den anderen Fällen sind auch die Nasennebenhöhlen entzündet, was aber nicht unbedingt zu starken Beschwerden führen muss.

Wenn die Schleimhäute anschwellen, verstopfen die Öffnungen der Nebenhöhlen schnell. Denn diese sind zum Teil nur stecknadelkopfgross. Der Schleim kann nicht mehr abfliessen, und ein Druckgefühl entsteht, je nach betroffener Höhle, am Kopf, im Gesicht oder am Kiefer. Die Erkältung zieht sich in die Länge, leichtes Fieber kann sich einstellen, und man fühlt sich schlapp.

Mit Antibiotika gegen eine Entzündung der Nebenhöhlen

Häufig heilt die Entzündung trotz der Abflussblockade von ganz alleine wieder aus. Abschwellende Nasentropfen, Inhalieren und Nasenduschen können die Symptome lindern und den Heilungsprozess unterstützen. Gelegentlich nutzen aber Bakterien ihre Chance, sich im schlecht belüfteten, mit Schleim gefüllten Höhlensystem anzusiedeln. Wenn die Symptome nach ein bis zwei Wochen nicht nachlassen oder sich die Lage von Tag zu Tag sogar verschlechtert, muss mit Antibiotika gegengesteuert werden, um Komplikationen wie ein Vordringen der Infektion in die Augenhöhle oder zum Gehirn vorzubeugen.

Während sich viele Menschen nur hin und wieder mit den Nebenhöhlen plagen, sind andere Dauergäste beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Schätzungsweise vier Prozent der europäischen Bevölkerung laborieren an einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen. Mehr als drei Monate im Jahr ist die Nase dann verstopft, der Kopf schmerzt, ständig läuft Schleim den Rachen hinunter, und manche können so gut wie nichts mehr riechen.

Noch vor wenigen Jahren nahm man an, für diese Beschwerden seien stets besondere anatomische Engstellen im individuell angelegten Höhlensystem verantwortlich. Doch nicht alle Patienten werden geheilt, selbst wenn man die Engstellen chirurgisch weitet. Neuere Untersuchungen zeigen, dass sich die Entzündung bei manchen Menschen offenbar nicht recht beruhigen will, weil das Immunsystem gegenüber allgegenwärtigen Bakterien oder Pilzen überreagiert.

Experten raten daher, alle medikamentösen Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor durch eine Operation verdickte Schleimhäute abgetragen und die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen erweitert werden. Es existieren Wirkstoffe, die vor Ort das übereifrige Immunsystem blockieren und den chronischen Schwellungen entgegenwirken. Andere Substanzen, wie etwa therapeutische Antikörper, die nicht die gesamte Abwehr der Nase lahmlegen, sondern einwandernden Immunzellen gezielt ein Stoppschild vorhalten, befinden sich in klinischen Testphasen.

Allergischer Schnupfen Publiziert am 10.01.2009 (cn)

Immunzellen reagieren mit Botenstoffen auf Allergene.

Bei einigen Menschen kann sich die Schleimhaut nicht nur durch Keime, sondern auch durch Kontakt mit Pollen oder anderen «Allergenen» entzünden. Die Konsequenzen sind denen einer Infektion sehr ähnlich: eine laufende oder verstopfte Nase. Auslöser der Entzündung sind allerdings Entzündungsbotenstoffe, die von speziellen Immunzellen nach einer anfänglichen Sensibilisierung ausgeschüttet werden. Menschen mit allergischem Schnupfen leiden häufig zusätzlich an einer so genannten «nasalen Hyperreaktivität»: Dabei kann die Nase auch extrem auf andere Reize wie Rauch, kalte Luft, Gerüche oder auch körperliche Aktivität reagieren.

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