Menstruation

von Raffa

Physiologie der Mens

Der Uterus (Zi Gong) ist eines der ausserordentlichen Zang Fu
(Ausserordentliche Zang Fu = Zang-Funktion und Fu-Struktur)
Der Hohlraum des Uterus entspricht einer Fu-Struktur, die Zang-Funktion des Uterus ist das Speichern von Blut vor der Mens und das Beherbergen des Fötus nach der Empfängnis.

Hilfe für den Uterus: He öffnet und die Ni empfängt
Der Uterus beherbergt Jing („ Blut ist die physische Manifestation von Jing“), dass er über die Bao Luo (Beutel-Netzwerk) von den Nieren erhält, und über die Bao Mai (Beutel-Gefäss) ist er mit dem Perikard (Xin Bao Luo, „Herz-Beteul-Netzwerk“) Herzen verbunden, von welchem er He-Qi und -Blut erhält. Klinisch gesehen könnte man es auch so betrachten, wie das Herz dem Uterus hilft, sich für die Empfängnis zu öffnen, während die Nieren eher die empfangende Schale bilden.

Tian Gui, ein Konzept mit Überschneidungen zur Konzept des Jing
Ein Ausnahmekonzept, welches sich ähnlich wie das des Ming Men Feuers viele Überschneidungen mit den Aspekten des Jing (Essenz) aufweist, ist jenes des Tian Gui (himmlischer Tau). Der Yang Aspekt von Tian Gui ist die zeitliche Steuerung der Reproduktionsfunktionen im Leben der Frau. Zum einen den monatlichen Zyklus, zum andern den septanalen (7-Jahres) Rhythmus: Zähne (7), Menarche (14), Zunehmende Reife (21), Höchste Reife (28), abnehmende Reife (35), Ende der Reife (41), Menopause (49), Beginn des 2. Lebens. Vergleichbar mit dem Yin Aspekt des Jing, ist der substanzielle Aspekt des Tian Gui das Menstruationsblut und der vaginale Ausfluss.

Blutbildung durch Mi, He und Ni
Drei Zang werden als Quelle des Blutes betrachtet: Mi, He und Nieren. Die Milz schickt Gu Qi (Nahrungs-Qi) zum Herzen. Die Nieren beherbergen Jing, dessen Yang-Aspekt, das Yuan Qi bei der Umwandlung der Substanzen hilft, und dessen Yin-Aspekt, das Mark bzw. Knochenmark als zweite Quelle des Blutes gilt.

Blutspeicherung für den Uterus durch Le und Chong Mai
Das Blut wird generell in der Leber (westmed. Pendant: Pfortader, Glykogen) und insbesondere für die Mens im Chong Mai (Meer des Blutes und der 12 Meridiane) gespeichert. Der Chong Mai ist verbindet einerseits das Vorhimmels- mit dem Nachhimmels-Qi, also die Ni (Jing) mit Ma und Mi (Qi), andererseits das Herzen mit dem Uterus.

Weitere Funktionen von Mi, He und Le auf den Uterus
Die Mi ist nicht nur wichtig für die Blutbildung, sondern hält auch den Uterus (Muskel) und das Blut in den Gefässen des Endometriums.

Das He versorgt den Uterus über den Chong Mai bzw. das Bao Luo nicht nur mit Blut, sondern sorgt auch dafür, dass sich die Ovarien und Tuben für die Gameten öffnen.

Die Leber reguliert nicht nur das Blutvolumen, sondern sorgt auch für einen gleichmässigen Qi und Blutfluss im Uterus.

Funktion der Ni und des Ren Mai auf den Uterus
Die Ni regulieren und nähren den Uterus über die „Empfängnis-Leitbahn“ (Ren Mai, Konzeptionsgefäss) mit Jing, Yang-/Funktion-Aspekt: Entwicklung und Fortpflanzung steuern, Yin-Substanz-Aspekt: Den Uterus mit Blut nähren.

Du Mai und Dai Mai haben einen indirekten Einfluss auf den Uterus
Der Du Mai beherrscht die Yang-Funktionskreise, welche im weiblichen Reproduktionssystem eine weniger grosse Rolle spielen als der Ren Mai und die Yin-Funktionskreise. Der Dai Mai kann durch seine Lokalität (im Gürtelbereich) bei einigen Pathologien eine indirekte Rolle spielen. Insgesamt ist aber der direkte physiologische Einfluss dieser beiden Leitbahnen auf das weibliche Reproduktionssystem gering, so auch die Bedeutung für die klinische Gynäkologie.

 

Der Mens-Zyklus

Der Zyklus wird in vier Phasen (oder zwei Hälften) unterteil
Der Zyklus beginnt mit dem Einsetzen der Mens, wobei punktuelle Blutungen nicht mitgezählt werden. Die dritte Phase bzw. zweite Hälfte des Zyklus beginnt mit dem Eisprung und ist dauert auch bei Zyklusunregelmässigkeiten meistens genau 14 Tage.

— 1. Hälfte (= I. und II. Phase)

I. Phase – Mens:
Blut fliesst nach unten, Qi fliesst nach oben
Der Chong Mai, Ren Mai und der Uterus entleeren sich

II. Phase – Postmens bis Ovulation:
Chong und Ren-Mai sind leer
Ni-Qi-Adstringieren um Mens zu stoppen und Gefässe wieder zu Füllen
Mi-, He, und Ni-Blut Bilden
Le-Blut-Dekompensieren

— 2. Hälfte (= III. und IV. Phase)

III. Phase – Ovulation:
Schneller Anstieg des Yang
Wechselkraft von Yin zu Yang, He-Ni-Beziehung
He-Qi öffnet Ovarien und Tuben
Le-Qi sorgt für Entspannte Ovarien und Flowige Tuben
Ni-Yang erhöht Temperatur
Genügend Ni-Yin ist Basis von Ni-Yang

III. Phase – Ovulation bis Prämens:
Schneller Wechsel von Yin zu Yang

Das Blut wandert nach unten
Mi-Blut, Ni-Yin und Le-Blut bilden Endometrium
Ni-Yin als Basis von Ni-Yang sorgt für Temperaturbeständigkeit
Le-Qi sorgt für gleichmässigen Blutfluss = stablile Kurve

IV. Phase – Prämens bis Mens:
Qi und Blut in voller Fülle
Yang steigt auf und aktiviert das Le-Qi
Ni-Jing für Empfängnis oder Mens
Genügend Ni-Yin und Yang = stabile Brutphase

 

Hormone und die Psyche

Das komplexe Zusammenspiel der Hormone und die psychosozialen Auswirkungen:

Die erste Östrogenphase tritt bei Mädchen bis zu zwei Jahren nach der Geburt (infantile Pubertät) auf und führt zu einem ersten Entwicklungsschub. Am meisten betroffen sind die Eierstöcke und jene Gehirnschaltkreise mit Zuständigkeit für die Brutpflege, sowie die soziale Bindungssensibilität.

Dann wird das weibliche Gehirn erst wieder ab der Pubertät (ca. mit 13 Jahren) von Östrogen überströmt. Die betroffenen Hirnrareale sind Amygdala* (emotionale Sensibilität), Hypothalamus (endokrine Organsteuerung), Hippocampus (wichtig fürs Sprechen, Lernen und Gedächtnis). Dadurch stellt sich eine erhöhte Konfliktangst (östrogenbedingtes verändertes Stress-/Cortisolverhalten) und eine erhöhte Lust zu sozialen Bindungen ein. Lust, weil erfolgreiche soziale Bindung (Cliquen, Kommunikation, soziale Netzwerke) direkt Dopamin- und Oxytocinausschüttungen erhöhen, sekundär auch die Serotoninausschüttung. Da diese Prozesse eine Konsequenz des Östrogens sind, sind sie bei Eisprung (Östrogenhöhepunkt) am stärksten, die Nervenverbindungen wachsen dann bis zu 25% vermehrt im Hippocampus, was zu erhöhter** Funktionsfähigkeit führt.
Ab dem Eisprung kommt…

Progesteron ins Spiel und hebt die Wirkung des Östrogens auf, was sich zunächst in einer Beruhigung des Gehirns (weniger facebook ;o) zeigt, die Stressempfindlichkeit nimmt aber allmählich zu und gegen Ende der zweiten Zyklushälfte, wenn der Progesteronspiegel (mit dem Beruhigungseffekt) auch noch sinkt, wird das Gehirn nervös und reizempfindlicher (Jubiii, PMS!).

Auch Frauen verfügen über Androgene wie Testosteron, DHEA und Androstendion, deren endokriner Höhepunkt ungefähr im 21. Lebensjahr liegt. Diese Hormone führen zu vermehrter Aggressivität und Lust auf Sex (männliche Rangordnungstriebe), häufig gehen sie mit der typischen Pubertätsakne einher und zeigen sich erst in der 3. und 4. Zykluswoche, wenn Östrogen und schliesslich Progesteron nachlassen. Hier muss angefügt werden, dass auch ein hoher Östrogenspiegel u. U. bei Frauen zu höherem Selbstwertgefühl, Angeberei und einer gewissen Aggression führen kann.

*Die Amygdala (Mandelkern) verarbeitet Emotionen und gibt sie an die Grosshirnrinde weiter. Diese ist aber angesichts der östrogenbedingten Hyperaktivität der Amygdala teilweise überfordert, wodurch in der Pubertät Fehlfunktionen im Gehirn auftreten können, was sich z. B. im Festklammern um jeden Preis an bestimmten Ideen äussert.

**Tipp: Am leistungsfähigsten sind die weiblichen Gehirne also in der 2. Zykluswoche, dann Chrüütli lernen :o)

 

PATHOLOGIE

Grobe Differenzierung der pathologischen Zeichen

Sz. vor und während der Mens: Fülle-Muster
Sz. während und nach der Mens: Leere-Muster

Druckempfindlichkeit (Massage) während den Beschwerden: Fülle-Muster
Druck (Massage) wird als angenehm empfunden: Leere-Muster

Wärme tut gut: Kälte oder Stagnationsmuster (Wärme wärmt nicht nur, sie bewegt auch)
Wärme tut nicht gut: Hitze-Muster

Diffuse Sz., Distension, etc. = Qi-Stagnation
Krampfartige Sz. = Kälte
Örtlich fixierte, ziehende oder nach unten drängende Sz. = Xue-Stase
Sz. ums Sakrum=Ni-Muster

Verlängerter Zyklus und dunkles, klumpiges Blut=Xue-Staste
Kurzer Zyklus, viel, helles Blut=Hitze
Rotes Blut ohne Klumpen=ev. Kälte

Wässriger Stuhl während der Mens meist= Holz attackiert Erde

 

…in progress…


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