Kalzium, Knochenfestigkeit und Kontroverses zu Mythen unserer Zeit

von Raffa

Leider herrscht in gewissen Kreisen immer noch der Fehlglaube, die Aufnahme von viel Kalzium durch Lebensmittel oder Nahrungsergänzungen sei gut für die Knochenfestigkeit. Obwohl die Werbung „Milch macht starke Knochen“ schon seit Jahren verboten ist, halten schlaue Marketingköpfe diesen Mythos durch ähnliche Aussagen aufrecht. „Wo Kalzium fehlt, muss Kalzium rein“ klingt ja logisch. Sogar Studien wurden gemacht(!), welche eine kurzzeitige positive Auswirkung auf die Knochendichte bei erhöhter Kalziumzzufuhr belegen. Längerfristig ist aber genau das Gegenteil der Fall, zahlreiche internationale Statistiken und Studien, u. a. der Harvard School of Public Health, belegen, dass die alleinige Zufuhr von Kalzium den Knochenabbau induzieren kann.

Ausser für den Zweck, für den sie gedacht ist, zur Primärnahrung von Säuglingen, hilft Milch nicht, sondern schadet, unter anderem besonders den Knochen![1] Das weiss man schon seit Jahrzehnten, und langsam dringt diese Begebenheit glücklicherweise auch bis ins Bewusstsein westlicher Ärzte… aber denen fällt es immer noch schwer vom alten, einbetonierten Mythos „Ein Glas Milch pro Tag…“ abzulassen. Und wenn, dann wird drumrum argumentiert und relativiert, so was wie… wenn kein Kalzium ausgeschieden wird, könnte ein Mangel bestehen, also gehen wir auf sicher und greifen zur Kalizumgabe (was ja nachweislich die Knochen schädigt, mehr dazu im letzten Abschnitt). Nun wurde wie üblich eifrig nach einer weiteren bequemen, stofflichen Lösung gesucht und mit Vitamin D (vorübergehend…?) auch eine gefunden. Vitamin D zeichnet sich durch eine Vielzahl positiver Eigenschaften aus und lässt sich prima popularisieren und vermarkten; es wird sich in Spitälern und Apotheken schätzungsweise wohl ein Marktproduktzyklus lang als Wundermittel gegen Osteoporose und sonscht Allenchaibs verkaufen lassen.

Einfach und bewährt: Vitamin D wird vom Körper selber produziert, wenn dieser regelmässig Sonnen tanken darf.

Wobei wir gleich beim nächsten Mythos angelangt sind, jenem vom Hautkrebs und der Sonne. Das gefällt mir ganz besonders, weil ich das schon seit eh und je vermutet habe und eine gesunde Aversion gegen Sonnencrème hege ;o). Tatsächlich sterben verhältnissmässig sehr wenige Menschen an Hautkrebs, der effektiv durch übermässige Sonnenstrahlung verursacht wurde. In den USA sind es jährlich ca. 1200 Menschen [3], die an einem Basalzell- oder Plattenepithelkarzinom sterben, auf der anderen Seite aber Hundertausende, die vorzeitig an *Osteoporose, welche wiederum vorallem auf Vitamin D-Mangel bzw. zu geringer Sonnenexposition zurückzuführen ist. Und dies ganz abgesehen von den weiteren lebenswichtigen Funktionen von Vitamin D. Und Melanome, die gefährlichsten der Hauskrebserkrankungen, treten häufiger an Stellen des Körpers auf, welche weniger dem Sonnenlicht exponiert werden. Büroangestellte leiden 4 x häufiger [4] daran, als Menschen, die im Freien arbeiten.  Hautkrebs hat in Ländern in Korrelation zur Verbreitung von Sonnencrèmes zugenommen, während die Hautkrebsrate z. B. in tropischen Ländern, im Oman oder in Algerien extrem tief sind! [7] Solange wohldosiert sonnengebadet wird, ist die Hysterie von wegen Hautkrebs wegen Sonnenstrahlen nicht nur übertrieben, sondern kreuzfalsch.

Für die ewig-nach-EINEM-Wunderrezept-Suchenden sei hier noch gesagt, dass 1.)  Kalzium lebensnotwendig ist und ich nicht rate, darauf zu verzichten, die Zufuhr ist jedoch durch einen durchschnittlichen Speiseplan völlig ausreichend, auch ohne übermässige tierischen Eiweisskonsum (Fleisch, Milch…). Milch ist übrigens für Säuglinge, nicht für Erwachsene (welche Kuh trinkt schon Milch?), und würde, wenn schon, den kompletten Speiseplan ersetzen; Überernährung ist das Hauptproblem unserer Zeit! Nur drei von 13 Resumee, welche durch ein Team aus zwanzig international führenden Experten aus rund 8000 Studien über Ernährung extrahiert wurde, gelten unumstritten als höchst relevant für die Gesundheit: 1. Mässiger Salzkonsum (ca. 2 – 5 g / Tag), 2. Frische und unveränderte (natürliche) Nahrungsmittel, 3. Verdichtete Nahrungsmittel vermeiden. (Dicht bedeutet konzentriert, raffiniert, mit einer unnatürlich hohen Energiedichte eben. Also z. B. Kristallzucker, Weissmehl, Fertigmahlzeiten, aber auch Fruchtsäfte, usw.). 2.) Und ebensowenig empfehle ich, es mit der Sonne auf der Haut zu übertreiben. Die Haut ähnelt der Verdauung, auch sie scheidet Abfallstoffe aus und nimmt Lebensstoffe auf, auch sie leidet unter Stress (vgl. verdichtete Nahrungsmittel). Folglich sollte man sie weder ständig mit Sonnencrèmes***, noch anderen Sälbeli und Züügs, noch mit übermässiger Sonnenstrahlung belasten. Also nochmals, damit keine Missverständnisse aufkommen: Sonnenbrand ist ein Riesenstress für die Haut und damit ebenso krebsfördernd wie Sonnencrèmes [7] und der Aufenthalt in nicht biologischen Räumen [8,9]!

Also, das Rezept lautet: Genug Sonne Tanken (langsam einbräunen, z. B. anfangs Kleider, Schatten, während der Dämmerung raus und Mittags Siesta machen…), regelmässig und freudig bewegen, wenig chemische Substanzen immissionieren, dafür viel Natur und frische und bekömmliche Nahrungsmittel.

Zurück zur *Osteporose („Porösität der Knochen“) und damit zu einem Begriff, der perse schon fehlleitet, wenn es um die Stärke der Knochen geht. Denn die Knochendichte entspricht nicht der Knochenfestigkeit. Für die Statik eines Gebildes zählt aber nicht nur die Masse, sondern vor allem auch der Aufbau und die Struktur. Natürlich kann rein technisch nur die Knochendichte und nicht die Festigkeit gemessen werden, und das wird auch getan und fälschlicherweise als Parameter für die Stärke der Knochen gewertet. Das der Zusammenhang aber nicht gegeben ist, zeigen Statistiken, bei welchen Knochenbrüche teilweise sogar weniger häufiger in Bevölkerungsgruppen mit vermehrter Osteoporose vorkommen!

Die Erneuerungskapazität von Knochenzellen ist beschränkt und wird durch erhöhte Kalziumzufuhr verkürzt. Übermässige Kalziumaufnahme (hauptsächlich durch tierische Produkte, wie z. B. durch Milch, aber auch durch Nahrungsergänzungsmittel) wirkt sich langfristig negativ auf die Knochenfestigkeit aus! [6]

[1] Link mit weiterführenden Infos zum Thema Knochenfestigkeit und Kalzium: www.4.waisays.com
[2] Link mit weiterführenden Infos zum Thema Hautkrebs und Sonne: http://bertjensen.info/hautkrebs-durch-sonnenlicht-ein-mythos/
[3] Michael F. Holick, Mark Jenkins: Schützendes Sonnenlicht, 2002.
[4] Osterlind A, Tucker MA, Stone BJ, Jensen OM. The Danish case-control study of cutanceous malignant melanoma. II. Importance of UV-light exposure. Int J Cancer, 1988 Sep 15;42(3):316-24.
[5] Orjan Hallberg / Olle Johansson: Cancer Trends During the 20th Century. Journal of Australian College of Nutritional & Environmental Medicine, Vol. 21. 1. 2002, 3-8.
[6] John Robbins: Ernährung für ein neues Jahrtausend. 3. Aufl. 1997, Waldfeucht.
[7] Garlan/Garland/Gorham: Could Sunscreams Increase Melanoma Risk?, in American Journal of Publick Health, Nr. 82, 4/1992, S. 614f. Zitiert nach Hobday: Sonnenlicht heilt, S. 69 f. [8] Die Melanom-Häufigkeit belief sich für Männer, die ihr Leben lang im Freiem arbeiteten, auf nur 17 Prozent gegenüber der von Büroangestellten. Bezogen auf PMR (proportional mortality ratios) Samuel Milham, Jr, and Eric Ossiader. Persönliche Mitteilung von Örjan Hallberg. Siehe auch http://www3.doh.wa.gov/occmort/ [9] V. Beral u.a.: Malignant Melanoma to Fluorescent Lighting at Work, Lancet, 2, 1982, S. 290 ff.-Zitiert nach Liebermann: Die heilende Kraft des Lichts, S. 194 f.
 

***Apro pos Schädlichkeit von Sonnencremes…
Heute, also ein paar Jährchen nach der Veröffentlichung dieses Posts, ist die Schädlichkeit von Sonnencrèmes und anderen Kosmetika in aller Munde, ähm Häute, Lebern und Nieren. Hier nur ein paar links zu diesbezüglichen wissenschaftlichen Artikeln:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3084961/ (Sonnencreme und Vitamin D)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17015167 (Sonnencreme und Antioxidantien)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11702366 (Allgemeine Absorbation von Chemikalien durch Sonnencreme)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15020197 (Herbizie durchdringen sonnenbecremelte Haut)


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